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Materialdienst 5/2013
Liane Wobbe

Ein Segen vom Haar des Propheten

Der "Islamische Verein für wohltätige Projekte"

Begrüßung der Pilger zum islamischen Neujahrsfest

Die Umar-Ibn-Al-Khattab-Moschee am Görlitzer Bahnhof (Berlin-Kreuzberg) mit ihrer Glaskuppel und den vier angedeuteten Minaretten ist eine der wenigen Moscheen in Berlin, die schon von außen als ein muslimisches Gebetshaus erkennbar sind. Die Inneneinrichtung des siebenstöckigen Gebäudes beeindruckt durch breite Marmortreppen, großräumige Gebetssäle mit kunstvoll verzierten Gebetsnischen, edlen Teppichen und prunkvollen Kronleuchtern. Die Moschee ist Teil des Maschari-Centers, das wiederum dem „Islamischen Verein für wohltätige Projekte e.V.“ (IVWP) gehört.

In diesem Gebetshaus wird das islamische Neujahr in besonderer Weise begangen. Im Jahr 2011 beispielsweise feiert hier am 25. November die arabisch sprechende und am 26. November die türkisch sprechende Gemeinde den Beginn des Jahres 1433 nach muslimischer Zeitrechnung.1 Am Fraueneingang bieten Muslima in schwarz-weißen Abayas den Eintretenden mit Nüssen gefüllte Datteln und einen Becher mit Wasser an. Am Treppenaufgang finden die Besucher eine Tafel mit dem Willkommensspruch: „Der Islamische Verein für wohltätige Projekte richtet, anlässlich des neuen Jahres und der Rückkehr der Pilger zur edlen Ka’abah, seine herzlichsten Glückwünsche an die Muslime und bittet Allah darum, uns dieses Fest erneut in Segen und Geborgenheit erleben zu lassen. Möge es Ihnen jedes Jahr gut gehen.“ Auf der Veranstaltung sollen die Frauen und Männer, die gerade von der Hadsch – der Pilgerreise nach Mekka – zurückgekehrt sind, feierlich begrüßt werden.

Im großen Moscheesaal im Erdgeschoss warten die Männer auf den Festbeginn. Die Veranstaltung fängt mit dem Abendgebet an, gefolgt von einer Ansprache durch den Scheich der Moschee. Er heißt die zurückgekehrten Pilger willkommen und rühmt das Wesen der Pilgerfahrt. Während des nun einsetzenden Gebets wird eine Weihrauchlampe geschwenkt, sodass sich der Duft im gesamten Moscheeraum verbreitet. Eine Gesangsgruppe trägt Hymnen, die das Leben Mohammeds beschreiben, in türkischer und in arabischer Sprache vor. Die Sänger heben sich mit ihren weiß-grünen Kaftanen und Turbanen von den anderen männlichen Besuchern ab, die musikalische Darbietung erinnert an Sufi-Gesänge. Koranverse, die von der Auswanderung Mohammeds aus Mekka nach Medina berichten, werden danach von einem Imam rezitiert und gleichzeitig in arabischer, türkischer und deutscher Übersetzung an die Wand geworfen.

Auf zwei Emporen der Moschee haben sich muslimische Frauen überwiegend türkischer, kurdischer und bosnischer Herkunft versammelt. Einige verteilen Süßigkeiten und besprengen die Anwesenden mit Zam Zam, heiligem Wasser, das aus einer Quelle in Mekka stammt.2 Auch für die Kinder ist es ein besonderer Tag, denn sie erhalten kleine Überraschungstüten, die mit Süßigkeiten gefüllt sind.

Ein Segen vom Haar des Propheten zu Mohammeds Geburtstag

Ein anderer Feiertag, auf den im Maschari-Center im Unterschied zu anderen muslimischen Moscheegemeinden besonders Wert gelegt wird, ist der Geburtstag des Propheten Mohammed, Maulid an Nabi. Dieser wird im Jahr 2012 am 6. Februar begangen. An diesem Tag findet ein besonderes Ritual statt: In einem hölzernen Kästchen wird das Haar des Propheten Mohammed herumgereicht, zuerst unter den Frauen in den oberen Etagen der Moschee, später im Gebetssaal unter den Männern. Alle Moscheebesucher sind ganz begierig, diese Reliquie zu berühren, um dadurch den Segen ihres Propheten zu erhalten.

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Anmerkungen

1 Das neue Jahr nach dem islamischen Kalender beginnt im arabischen Monat Muharram und bezeichnet die Ausreise des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im September 622, auch Al-Hidschra genannt. Der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond, die Feiertage verschieben sich um elf Tage im Vergleich zum gregorianischen Kalender. Obwohl Al-Hidschra für die Ausreise steht, verwenden Muslime diesen Begriff auch umgangssprachlich für den Jahresanfang.
2 Zam Zam ist der Name eines Brunnens im Hof der großen Moschee in Mekka. Nach islamischer Überlieferung handelt es sich um die Quelle, die Gott für Hagar und ihren Sohn Ismail entspringen ließ. Dem Wasser des Brunnens wird ein Ursprung im Paradies und damit eine heilende Wirkung nachgesagt. 

 

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