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Materialdienst 2/2008
Bernhard Grom

"Ich bin Kraft! Ich bin gesund!"

Wunderglaube in alternativ-esoterischen Heilungsangeboten

Heilungsoptimismus

Der Wunderglaube der Gegenwartsesoterik erhofft nicht – wie das traditionelle christliche Gebet für Kranke oder der herkömmliche Gang zu einem Wallfahrtsort – ein außergewöhnliches Wirken des souveränen Schöpfers, sondern setzt eher auf höhere Kräfte, die im Kosmos vorhanden sind und durch intuitiv begabte Vermittler bzw. eigene Glaubensstärke abgerufen werden können. In diesem Heilungs- und Gesundheitsoptimismus kommt nicht nur die gegenwärtige fast kultische Hochschätzung von Gesundheit zum Ausdruck, sondern auch eine Sehnsucht nach Geborgenheit im Leben, die sicher urmenschlich ist. Das sollen ausgewählte Ansätze und Angebote zeigen. Diese kann man sowohl esoterisch als auch pragmatisch und nicht-esoterisch verstehen. Beispielsweise kann man altüberlieferte Wege wie Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin oder Homöopathie mit der Bereitschaft praktizieren, sie nach den Maßstäben der wissenschaftlichen Medizin zu prüfen und ihren Weltbildhintergrund im Licht philosophischer und theologischer Argumente zu reflektieren. Man kann sie aber auch so verstehen, dass sie sich nur einer eigenen, angeblich „transrationalen“ Erkenntnis erschließen, die lediglich besonders Intuitiven, Sensitiven und Initiierten zugänglich sei. Die folgenden Angebote kann man also mit unterschiedlichen Einstellungen vertreten.

Reiki

Reiki wird für körperliche Krankheiten aller Art, für emotionale Probleme und die Erlangung eines höheren Bewusstseins angeboten. Oft empfiehlt man eine Behandlung von sechs bis zehn einstündigen Sitzungen. Der Heiler stellt keine medizinische Diagnose, sondern untersucht die Energiezustände: In tiefer Konzentration legt er etwa zehn Minuten lang seine Hände auf die Stirn des Klienten und wechselt dann nach einem bestimmten Ritual zu anderen Körperbereichen. Bei Erkältung oder Schwerhörigkeit berührt er die Ohren, bei Kopfschmerzen oder Schlaganfall den Hinterkopf, bei Tumoren oder Aids die Seite links hinter der Brust. Dies soll die Blockaden der universellen Lebensenergie – eben Reiki – auflösen und deren Grundkräfte Yin und Yang harmonisieren. Zur vollen Ausübung, zumal für Fernheilungen, muss dem Heiler bei einer „Einweihung“ von einem Meister der Kanal mit den Chakras, aus dem die heilende Energie durch die Hände übertragen wird, geöffnet und wieder versiegelt werden. Von Reiki erhofft man sich oft große Wirkungen; man will damit auch schon leere Autobatterien aufgeladen haben. Reiki wird sowohl mit seiner taoistischen Vorstellung von einer Urkraft Chi und der Chakren-Lehre des Kundalini-Yoga angeboten als auch losgelöst davon als Wohlfühl-Angebot mit exotischem Reiz, z. B. an Volkshochschulen.

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