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Materialdienst 2/2008
Folkmar Schiek

Bewegt sie sich doch nicht?

Ein Kommentar zum aktuellen Selbstbild der Neuapostolischen Kirche

In jüngster Zeit war häufig von einer ökumenischen Öffnung der Neuapostolischen Kirche (NAK) die Rede. So ließen sich erstaunliche Lockerungen im Hinblick auf die Taufanerkennung anderer christlicher Kirchen wie auch Relativierungen zum Anspruch des Apostelamtes beobachten (vgl. MD 6/2007, 231f). Deshalb gab es euphorische Stimmen, die meinten, die Zeit der autoritären Herrscher sei endgültig vorbei, und ohne Zweifel sei die NAK eine christliche Kirche. Die NAK hat erstmals im Januar 2006 einen Informationsabend aus Uster/Schweiz ausgestrahlt1, der deutliche Hinweise auf eine Annäherung der NAK an die verfassten Kirchen enthielt. Ein Jahr später, am 4. Dezember 2007, folgte nun ein zweiter Informationsabend aus dem Kommunikationscenter des internationalen Kirchensitzes der NAK in Zürich, der in die entgegengesetzte Richtung wies. Die Sendung wurde per Satellit in rund 1400 Gemeinden in 18 Ländern in Europa ausgestrahlt. An diesem Informationsabend wurden zwei Themen behandelt, die im Nachgang zu erheblichen Widersprüchen und Protesten führten. Zum einen wurde in sieben Thesen das „Selbstbild der NAK“ vorgestellt, das erneut die Macht und die Autorität der Apostel hervorhob. Zum anderen wurden erste Ergebnisse der Arbeitsgruppe Geschichte vorgelegt, die die schwierigen Verwerfungen innerhalb der eigenen Tradition aufarbeiten sollte. Im Nachgang war von einer „Schlammschlacht“ die Rede, und ein Kritiker forderte sogar den Leiter der Arbeitsgruppe in einem öffentlichen Brief auf, den Vorsitz wegen unsauberen Vorgehens niederzulegen.

Es brodelt also wieder einmal in der mitgliederstärksten christlichen Sondergemeinschaft. Die frühere Ankündigung, die überarbeitete Neuauflage des NAK-Katechismus „Fragen und Antworten“ 2008 vorzulegen, ist derzeit kein Thema mehr. Die neuen Konflikte weisen auf erhebliche Richtungsstreitigkeiten innerhalb der NAK hin. Es kostet offenbar sehr viel Zeit, Kraft und Geschick, hier eine einheitliche Linie zu finden und sich der Ökumene zu öffnen, ohne die eigene Identität preiszugeben. Der folgende Beitrag eines ehemaligen Mitglieds analysiert das aktuelle Selbstbild der NAK, wobei die Gegensätze zu den anderen christlichen Konfessionen deutlich hervortreten.

Michael Utsch


Das im Dezember in Zürich vorgestellte, erneut exklusiv formulierte Selbstbild der NAK sowie der Umgang mit der Geschichte um die Spaltungen im Rheinland und in der Schweiz in den 1950er Jahren sorgten sowohl bei den Kirchenmitgliedern als auch bei den Betroffenen der Spaltungen für großes Empören und tiefe Enttäuschung. Der Leser erhält über die Berichterstattung auf den Homepages im Umfeld der NAK einen Eindruck über die allseits wahrzunehmende Bestürzung.2

Mit dem nun vorliegenden Selbstbild hat die Kirchenleitung der NAK den Weg der vorsichtigen Öffnung der letzten Jahre bereits wieder verlassen und sich in der öffentlichen Wahrnehmung unter Umständen deutlicher in der Sektenecke positioniert denn je.

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Anmerkungen

1 Siehe Dokument ad-079 „Verständnis-Änderung der Taufe und Versiegelung in der Neuapostolischen Kirche vom 24.1.2006 – Eine Analyse“ auf www.adfontes.mediasinres.net.
2 www.adfontes.mediasinres.net; www.mediasinres.net; www.christ-im-dialog.de; www.apostolisch.ch; www.naktuell.de; www.nakobserver.nl.

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