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Materialdienst 7/2008
Esoterik

Esoteriksender "Kanal Telemedial" verliert Sendelizenz

Dem über Satellitenfernsehen und in einigen Kabelnetzen empfangbaren österreichischen Esoterik- und Beratungssender Kanal Telemedial, der sich als „ersten spirituellen Sender in Europa“ bezeichnet und Kartenlegen, Astrologie und allgemeine Telefonberatungen offeriert, droht das Aus. Die österreichische Medienaufsichtsbehörde Komm Austria hat dem Betreiber Anfang Juni 2008 einen Bescheid zugestellt, in dem mitgeteilt wird, dass die Sendelizenz erlischt. Als Begründung wird angeführt, Telemedial hätte „über einen durchgehenden Zeitraum von einem Jahr keinen Sendebetrieb entsprechend der ihr erteilten Zulassung zur Veranstaltung von Satellitenrundfunk ausgeübt“ (Pressemitteilung der Komm Austria vom 6.6.2008, www.rtr.at/de/pr). Im Wesentlichen geht die Komm Austria davon aus, dass der Kanal Telemedial seit März 2007 nicht in Österreich niedergelassen ist und damit auch nicht die wesentliche Voraussetzung für die erteilte Zulassung zum Satellitenrundfunk erfüllt.
Das Programm von Kanal Telemedial, der seinen offiziellen Sitz in Wien hat, wird in den Studios im deutschen Ludwigsburg produziert. Für die Lizenzerteilung in Österreich ist jedoch vorgesehen, dass der Sender dort nicht nur seinen Sitz haben muss, sondern dass er dort auch seine redaktionellen Entscheidungen zu treffen und den Hauptteil des Senderpersonals zu beschäftigen hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kanal Telemedial für Diskussionsstoff sorgt. So sollen sich mehr als 100 Menschen bei Komm Austria über den Esoteriksender beschwert haben, der Lebensberatung für neun Euro pro Minute anbietet. Für zusätzlichen Ärger soll Medienberichten zufolge der Auftritt eines Geistheilers Anfang August 2007 gesorgt haben. Dabei soll dieser den Eindruck erweckt haben, dass seine Behandlung mit „Engel-Energien“ eine schulmedizinische Behandlung ersetzen könne. Damit würden gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen gefördert, hieß es in einer Rüge, die dem Sender von den österreichischen Medienwächtern erteilt wurde.

Am 29. Juni 2006 ging Kanal Telemedial unter dem Namen „Primetime“ auf Sendung. Mit verändertem Konzept ist er unter dem jetzigen Namen seit 5. Dezember 2007 über Antenne (DVB-T), Kabel (analog, digital), Satellit (analog, digital) und über Internetfernsehen (www.telemedial.de) zu empfangen. Gründer des Senders ist der Fernsehunternehmer Thomas G. Hornauer (Jahrgang 1960). Der gelernte Gießer fungiert als Programmdirektor des Fernsehsenders Telemedial und ist Geschäftsführer der Firma Telekontor. Bekannt wurde Hornauer, als er Anfang 2003 für 1,6 Millionen Euro den insolventen württembergischen Regionalsender B.TV übernommen hatte. B.TV musste 2004 seinen Sendebetrieb einstellen, da ihm von der Landesmedienanstalt Baden-Württemberg die Lizenz entzogen wurde. In den Jahren zuvor hatte es Hornauer als Betreiber von zahlreichen 0190-Hotlines (Sex-Hotlines) und als Produzent von Erotikclips zum Multimillionär gebracht. In die Schlagzeilen geriet er, als ihm in Medienberichten Kontakte zur umstrittenen Wankmiller-Gruppe, dem „Stamm der Likatier“ (vgl MD 3/2004, 108ff), nachgesagt wurden.

Die Mitteilung von Komm Austria, wonach die Sendelizenz für Kanal Telemedial erlischt, bedeutet jedoch nicht das sofortige Aus. Hornauer hat zwei Wochen Zeit, um Widerspruch gegen diesen Bescheid einzulegen.

Matthias Pöhlmann

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