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Materialdienst 9/2008
Psychoszene / Psychotraining

Handelsmarke Hellinger

(Letzter Bericht: 9/2007, 349ff) In den letzten drei Jahren hat sich die Aufsteller-Szene nach Hellinger in zwei Fraktionen geteilt, weil ihre Anwender entweder stärker professionell oder stärker spirituell arbeiten wollten (vgl. MD 3/2007, 112ff). Dieser Spaltungsprozess wird vom 83-jährigen Gründer der Methode aktiv vorangetrieben. Im März 2008 hat er in einem Schulungskurs in Barcelona über „Das Neue Familien-Stellen“ und die „Hellinger Sciencia“ ausgeführt: „Das Familien-Stellen beruht auf Einsichten. Diese Einsichten ... sind eine eigene Wissenschaft, eine Wissenschaft über menschliche Beziehungen. Ich nenne sie Hellinger Sciencia, denn die wesentlichen Einsichten darüber wurden mir geschenkt. Indem ich ihnen meinen Namen gebe, schütze ich diese Einsichten vor Veränderungen und vor einschränkenden Deutungen ... Ich grenze das Neue Familien-Stellen klar vom Klassischen Familien-Stellen ab. Von daher gibt es unter den Familien-Stellern eine klare Spaltung. Ich schaue dem gelassen zu. Von meiner Seite her bin ich offen für alle Familien-Steller“ (Praxis der Systemaufstellung 1/2008, 108).

Die Spaltung wird dadurch gefördert, dass sich die „Hellinger Sciencia“ den Namen „Bert Hellinger“ hat rechtlich schützen lassen und nun versucht, einen Lizenzbetrieb im Franchise-Stil aufzubauen. Während früher jeder Aufstellungen „nach Hellinger“ anbieten konnte, hat kürzlich die Hellinger Sciencia einige derer, „die beschlossen haben, nicht Lizenznehmer zu werden, aufgefordert, fortan die Nutzung des Namens ‚Hellinger’ zu unterlassen“ (ebd., 112).

In einem offenen Brief haben sich deshalb die beiden Fachverbände, denen es um eine professionelle Weiterentwicklung des Familienstellens „nach Hellinger“ geht, gegen die „Hellinger Sciencia“ gewendet (ebd., 112-113). Darin betonen die DGfS (Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen) und die ISCA (International Systemic Constellation Association) zunächst ihre Wertschätzung der kreativen Arbeit Hellingers. Allerdings wird bedauert, dass sich Hellinger „zunehmend als die einzige Quelle und den einzigen Vermittler dieser großartigen ... Arbeit darstellt und versäumt, die Arbeit der vielen anderen anzuerkennen, die bedeutsame Beiträge geleistet haben“ (ebd., 112). Weiterhin wird Marie Sophie und Bert Hellinger autoritäres Verhalten vorgeworfen, das sie „immun gegenüber dem üblichen kollegialen Austausch und dem Prozess der kollegialen Intervision“ mache. Dieses Vorgehen könne zu „unangemessenen Idealisierungen“ führen und „zu einem Gebrauch von Gruppenübungen ermutigen, die historisch gesehen mit einem Gehorsam gegenüber totalitären Verhaltensmustern und Regimen assoziiert werden können“ (ebd.).

Hellingers „Neues“ Familienstellen schafft  den Nährboden für eine sektenähnliche Gruppenstruktur, die sich gegen vernünftige Kritik immunisiert, fachliche Qualitätskriterien missachtet und sich den Eingebungen eines selbsternannten Meisters überlässt.

Michael Utsch

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