publikationen_keyvisual.jpg
Materialdienst 5/2008
Friedmann Eißler

Ein Jahr "Islamisches Wort"

Zum Kommunikationsproblem zwischen Muslimen und Mehrheitsgesellschaft

Für die einen war es ein längst überfälliger Schritt zur gesellschaftlichen Integration von Muslimen, für die anderen ein verfassungsrechtlich fragwürdiges Angebot, das nicht zur Aufgabe der Grundversorgung der öffentlich-rechtlichen Sender gehört: Am 20.4.2007 wurde zum ersten Mal das „Islamische Wort“ auf der Internetseite SWR cont.ra präsentiert, wo es seither jeweils am ersten Freitag im Monat in zwei Formaten abgerufen werden kann. In Dreiminutenbeiträgen sprechen vier muslimische Autorinnen und Autoren im Wechsel zu Themen des islamischen Glaubens und richten sich dabei sowohl an Muslime als auch an Nichtmuslime. Der damalige SWR-Intendant Peter Voß hatte schon im Oktober 2006 erklärt, durch „religiöse islamische Sendungen im SWR“ einen Beitrag zur Integration muslimischer Mitbürger in Deutschland leisten zu wollen. Mit dem „Islamischen Wort“ solle Muslimen die Möglichkeit gegeben werden, authentisch und durchaus im Verkündigungsstil von ihrem Glauben zu berichten. Verpflichtet ist der Sender dazu laut Staatsvertrag nicht, zumal bislang kein muslimischer Zusammenschluss die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts genießt.

Das Projekt, das unter der redaktionellen Leitung des Islamwissenschaftlers Reinhard Baumgarten steht, zog anfangs heftige Kritik auf sich. Dann mehrten sich positive Rückmeldungen, so dass der Sender im August 2007 eine positive Zwischenbilanz zog. Vertreter muslimischer Verbände hatten das neue Angebot begrüßt und als „guten Anfang“ bezeichnet, dem freilich erweiterte Möglichkeiten muslimischer Äußerungen in Radio und Fernsehen folgen sollten.

Als wechselnde Sprecher wurden unterschiedlich profilierte Persönlichkeiten ausgewählt: Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Bekir Alboğa, Imam und Dialogbeauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) in Deutschland, die freie Publizistin Hilal Sezgin sowie die Stuttgarter Pädagogin Emina Corbo-Mesic.

Das „Islamische Wort“ hat sich bisher mit Glaubensthemen im engeren Sinne sowie mit den Themen Dialog, Islam und Gewalt, Religionsfreiheit befasst, die jeweils ebenfalls aus dezidiert religiöser Perspektive betrachtet werden. Nicht zuletzt dadurch unterscheidet es sich vom „Forum am Freitag“, dem zweiten inzwischen etablierten Internetangebot mit muslimischen Stimmen, mit dem das ZDF am 6.7.2007 an den Start gegangen ist. Das ZDF setzt in dem wöchentlichen Format in rund zehnminütigen Interviews und zusätzlichen Online-Texten auf Information über die Islamvielfalt in Deutschland, wobei alle maßgeblichen islamischen Kräfte zu aktuellen Themen zu Wort kommen sollen.

Lesen Sie weiter im Materialdienst.

Inhaltsverzeichnis, Bestellung und Download

Materialdienst Archiv

Die Ausgaben der Jahrgänge 1970-2015 sind für alle Internetnutzer als pdf-Dateien abrufbar.

Eine schnelle Orientierung bieten die Jahrgangsübersichten mit den Schwerpunktthemen, die einzelnen Ausgaben sind über vollständige Inhaltsverzeichnisse erschlossen.

Allen, die den Materialdienst abonniert haben, stellen wir die aktuelle Ausgabe am Anfang des Monats zusätzlich als pdf-Datei zur Verfügung. Außerdem ist ein exklusiver Zugang zu den jeweils letzten zwei Jahrgängen (2016 u. 2017) eingerichtet.

Materialdienst abonnieren

So verpassen Sie keine Ausgabe: Abonnieren Sie den Materialdienst!