publikationen_keyvisual.jpg
Materialdienst 6/2003
Michael Utsch

Postmoderne Heilung durch Energiemedizin

Technische Kontrolle über den feinstofflichen Körper?

Ein hervorstechendes Merkmal der sogenannten Postmoderne ist die Gleichzeitigkeit und vorgebliche Integration gegensätzlicher Weltbilder, Wahrheitsansprüche und Deutungen. Einerseits können moderne Technologien mit immer neuen Errungenschaften begeistern, andererseits breitet sich vormodern-magisches Denken in vielen gesellschaftlichen Bereichen aus. Diese erstaunliche Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Paradigmen kann derzeit eindrücklich in einer beachtlichen Wachstumsnische des alternativen Gesundheitsmarktes, der sogenannten Energiemedizin, beobachtet werden. Mit modernsten Hightech-Geräten sollen vormoderne Konzepte wie die Lebensenergie, das Chakrensystem oder feinstoffliche Informationsschwingungen nachgewiesen, kontrolliert und verändert werden. Rolf Lichtenberg, Entwickler eines energetischen Schnell-Testers, mit dem in kürzester Zeit über angebliche "Energiefeldmessungen" präzise Krankheitsdiagnosen möglich sein sollen (vgl. www.mikro-medica.de), betrachtet diese neuartige Verbindung zwischen Technik- und Energiegläubigkeit unverhohlen als eine lukrative Perspektive: "Wenn der Patient am Ausschlag des Messinstruments sieht, was ihm guttut, wird er leichter bereit sein, .... auch aus eigener Tasche zu bezahlen".1
 
Immer häufiger ist in der Alternativmedizin von einer biophysikalischen Revolution die Rede. Neue wissenschaftliche Arbeiten behaupten, den unsichtbaren Energiekörper des Menschen zugänglich und behandelbar gemacht zu haben. Manche sprechen von Biophotonen als "subtilen Lichtpartikeln", die erkrankte Zellen mit "Urinformationen über das Betriebssystem des Lebens" zur Selbstheilung anregen sollen.2 Andere stellen dem physischen, feststofflichen Körper feinstoffliche Energiefelder gegenüber und behaupten, kontrollierbaren Einfluss auf diesen Körper nehmen zu können. Mit der Hilfe von lokal einzusetzenden Mini-Computern oder Magnetfeld-Matten sollen Asthma, Hexenschuss, Knochen- und Gelenkerkrankungen und sogar Impotenz geheilt werden können.

Gemeinsam setzt sich die "neue Energiemedizin" von den herkömmlichen energetischen Verfahren wie der Bioresonanz, Orgonstrahlern, Magnetfeld, Radionik, Mora-Therapie oder Elektro-Akupunktur nach Voll dadurch ab, dass sie nach eigenen Angaben deutlich bessere organische Veränderungen bewirke und ihre Ergebnisse reproduzierbar seien. Der unübersichtliche Markt lässt sich je nach Vorgehensweise in zwei Segmente unterteilen: Während "Impulsverfahren", wie etwa die Magnetfeldtherapie, durch eigene Schwingungen heilsam auf den Körper einwirken sollen, setzen sogenannte "Resonanzverfahren" auf die Modulation der körpereigenen Schwingungen. In der Bioresonanztherapie werden dem Patienten also keine Fremdenergien, sondern eigene, umgewandelte Schwingungen zugeführt. Deshalb spricht man hierbei auch gerne von einer Art "technischen Homöopathie".3

Lesen Sie weiter im Materialdienst.

Anmerkungen

1 SEIN 91/3 (2003), 15.
2 S. Längsfeld, Erleuchtung aus der Steckdose? Neue Technologien ermöglichen Harmonie für Körper und Psyche, Esotera 10/2002, 9.
3 Eine gute Übersicht (mit zum Teil diskussionswürdigen Schlussfolgerungen) bietet das neue Werk von Marco Bischof, Tachyonen, Orgonenergie, Skalarwellen. Feinstoffliche Felder zwischen Mythos und Wissenschaft, Aarau 2002; vgl. auch die entsprechenden Stichworte im Handbuch "Die andere Medizin" (hg. von Christa Federspiel und Vera Herbst, Berlin 1996).

Inhaltsverzeichnis, Bestellung und Download

Materialdienst Archiv

Die Ausgaben der Jahrgänge 1970-2015 sind für alle Internetnutzer als pdf-Dateien abrufbar.

Eine schnelle Orientierung bieten die Jahrgangsübersichten mit den Schwerpunktthemen, die einzelnen Ausgaben sind über vollständige Inhaltsverzeichnisse erschlossen.

Allen, die den Materialdienst abonniert haben, stellen wir die aktuelle Ausgabe am Anfang des Monats zusätzlich als pdf-Datei zur Verfügung. Außerdem ist ein exklusiver Zugang zu den jeweils letzten zwei Jahrgängen (2016 u. 2017) eingerichtet.

Materialdienst abonnieren

So verpassen Sie keine Ausgabe: Abonnieren Sie den Materialdienst!