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Materialdienst 6/2003
Andreas Obenauer

Gott auf MTV

Die religiösen Botschaften von Videoclips und die Frage nach ihrer Rezeption

Theologie und Popmusik: Begegnungen und offene Fragen

Die Beschäftigung mit Popmusik ist in der Theologie gerade "in". Die Zahl der Veröffentlichungen zum Themenkreis Popmusik und Religion ist fast unüberschaubar geworden.1 Neben religionspädagogisch motivierten Arbeiten, die nach der möglichen Verwendung von Popmusik im Religionsunterricht fragen2, finden sich in der theologischen Diskussion bislang v.a. Arbeiten, die religiöse Inhalte von Popsongs analysieren.3 Hier wurde in den vergangenen Jahren Beachtliches geleistet. Die religiösen Inhalte der Popmusik in ihrer ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit wurden herausgearbeitet. Didaktische Konzepte wurden im Blick auf das Medium "Popsong" neu durchdacht, die Religionspädagogik insgesamt erhielt Anstöße zu einem vertieften Verständnis der Jugendkultur der Gegenwart.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich sowohl die eher phänomenologisch orientierten als auch die religionspädagogisch ausgerichteten Arbeiten auf die Analyse der Popsongs selbst beschränkt haben. Kaum beachtet wurde, dass Popsongs und die zugehörigen Videoclips Medien in einem Kommunikationsprozess sind, in dem - vereinfacht gesprochen - von einem Sender ausgesendete Botschaften von einem Empfänger aufgenommen werden. Hier ergeben sich nun grundlegende Fragen: Kommt beim Empfänger überhaupt an, was der Sender mitteilen will? Oder hört und sieht der Rezipient etwas völlig anderes? Antworten hierauf sucht man in der theologischen Literatur zur Popmusik bislang (fast) vergeblich.4 So wurde die Frage, ob und wie die - häufig jugendlichen - Rezipientinnen und Rezipienten von Popmusik deren religiöse Inhalte wahrnehmen, zwar bisweilen gestellt, jedoch nicht beantwortet.5

Wie nehmen Jugendliche Videoclips mit religiösen Inhalten wahr?

Hier setzte mein eigenes Forschungsprojekt an.6 In einer empirischen Untersuchung habe ich 100 Schülerinnen und Schüler im Alter von zwölf bis 15 Jahren zu ihrer Videocliprezeption befragt. Die Testpersonen sahen Videoclips mit religiösen Inhalten und beantworteten anschließend einige teils geschlossene, teils offene Fragen zum jeweiligen Clip. Zudem wurden allgemeine Daten zur Person sowie Haltungen zum Themenkreis Religion7 erfragt.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind eindeutig und setzen dicke Fragezeichen hinter den bisherigen Umgang der akademischen Theologie mit dem Phänomen "Popmusik".

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Anmerkungen

1 Vgl. hierzu meinen Überblick in: Andreas Obenauer, Too much Heaven? Religiöse Popsongs - jugendliche Zugangsweisen - Chancen für den Religionsunterricht, Münster / Hamburg / London 2002, 17-65.
2 Vgl. exemplarisch Andreas Mertin, Videoclips im Religionsunterricht. Eine praktische Anleitung zur Arbeit mit Musikvideos, Göttingen 1999.
3 Vgl. etwa die ausgezeichneten Analysen von Bernd Schwarze, Die Religion der Rock- und Popmusik. Analysen und Interpretationen, Stuttgart / Berlin / Köln 1997.
4 Vgl. erste Ansätze zu Antworten auf diese Frage bei Matthias Everding, Land unter!? Populäre Musik und Religionsunterricht, Münster / New York / München / Berlin 2000, 286-317, 343-369, und bei Thomas Bickelhaupt, Uwe Böhm, Gerd Buschmann, "Wann kommt die Flut?" Sintflut und Arche als massenmediale apokalyptische Symbole in der populären Kultur zur Jahrtausendwende - exemplarische Analyse eines Musikvideos mit methodischem Analysemodell und unterrichtspraktischem Material, in: Medienimpulse 8. Jg., Sept. 1999, Heft 29, 19-36, hier 31f.
5 Vgl. Friedrich Schweizer, Jugendkultur und Religionspädagogik, in: Peter Biehl / Klaus Wegenast (Hg.), Religionspädagogik und Kultur. Beiträge zu einer religionspädagogischen Theorie kulturell vermittelter Praxis in Kirche und Gesellschaft, Neukirchen-Vluyn 2000, 165-178, hier 170-173.
6 Vgl. ausführlich Andreas Obenauer, Too much Heaven?, 103-161.
7 Die Daten zum Themenkreis Religion wurden erst ganz am Ende erfragt, um die Antworten auf die Fragen zu den Musikvideos möglichst nicht zu beeinflussen.

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