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Materialdienst 4/2003
Harald Lamprecht

Organische Christusgeneration

Ivo Sasek und seine Bewegung

Das Bemühen um ein christliches Leben nach biblischem Vorbild hat zu vielen Zeiten die Kirchengeschichte begleitet. Oft waren es kleinere, engagierte Gruppen, die auf Missstände in dem etablierten Christentum hinwiesen und als wachsende Bewegungen wichtige Impulse für Reformen gaben. Insofern hatten und haben diese kleinen Gruppen - so unbequem sie mitunter auch sein mögen - eine wichtige Funktion für die gesamte Christenheit, wenn der Satz von der ecclesia semper reformanda praktisch werden soll. Auf der anderen Seite geht dieses Reformbestreben oft mit der Gefahr der Versektung einher und hat nicht selten zu bleibenden Abspaltungen geführt. Diese Gefahr wird insbesondere dann akut, wenn nur noch die eigene Form des Glaubenslebens als Verwirklichung wahren Christseins anerkannt wird und die Gemeinschaft mit der übrigen Christenheit darüber zerbricht.
 
In dieser Spannung zwischen berechtigten Reformimpulsen und der Gefahr einer neuen Sektenbildung steht die Bewegung, die mit dem Namen Ivo Sasek verknüpft und mancherorts als Organische Christus-Generation (OCG) bekannt geworden ist. Seit etwa drei Jahren wird zunehmend die Öffentlichkeit durch groß angelegte Veranstaltungen in den Sommermonaten auf diese Bewegung aufmerksam. So wurde in diesem Jahr für ein Musical "Novatorium" mit "Gala-Brunch" geworben, bei dem Christen "wichtige moralische, ethische und christliche Grundwerte" vermittelt werden sollten. Was sind die Ziele und Anliegen dieser Bewegung und wie sind sie zu beurteilen?
 
Die nähere Betrachtung dieser Bewegung ist auch unter einem anderen Blickwinkel von Interesse. Es ist die Frage, in wieweit sich in der Geschichte und Entwicklung der OCG grundlegende Elemente bei der Bildung neuer religiöser Bewegungen beobachten lassen. Insbesondere das nicht immer einfach zu durchschauende Verhältnis aus gewollter (elitärer) Selbstabgrenzung und erlittener Ausgrenzung durch die Umgebung verdient eingehendere Betrachtung - ist dies doch ein wesentlicher Faktor für die Konfliktträchtigkeit von Gruppierungen und kann hier in seiner Dynamik geradezu "live" beobachtet werden.

1. Ivo Sasek unter der Hand Gottes - Zur Geschichte

Initiator und Zentralfigur ist der am 10. Juli 1956 in Zürich geborene Ivo Sasek. Seine Biographie hat er in missionarischer Absicht selbst ausführlich in einer Ton-Bild-Schau dargestellt, die auch als Kassettenbotschaft vertrieben wird. Diese Autobiographie ist an vielen Stellen sehr aufschlussreich für Saseks Grundeinstellungen und zeigt einige seiner Denkmuster deutlich. Ihr Titel "Höhere Gewalt" zeigt den Blickwinkel und Interpretationsschlüssel, den Sasek für die Darstellung seiner Lebensgeschichte gebraucht: alles, was ihm widerfahren ist, sieht er als Ausdruck der höheren Gewalt Gottes, der sein Leben in der Hand hat. Damit ist noch etwas Spezielleres gemeint als der Glaube, dass Gott letztlich jedes Leben in seiner Hand hält, wie aus dem Zitat der Berufung des Propheten Jeremia (Jer 1,5) hervorgeht. Ivo Sasek fühlt sich von Gott als Prophet für die Nationen auserwählt, darum hat Gott ihn in Krisen und Unfällen behütet und diesen Lebensweg geführt.

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