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Materialdienst 10/2003
Michael Utsch

Mangelt es Esotera und Connection an Erleuchtung?

Veränderungen bei spirituell orientierten Zeitschriften

Die Vielfalt religiöser Strömungen und weltanschaulicher Deutungen spiegelt sich in der Angebotsfülle des spirituellen Zeitschriftenmarktes wider. Aber auch dort bewirkt die wirtschaftlich angespannte Lage, dass Abonnentenzahlen zurückgehen. Zudem mutmaßen einige Trendanalytiker, dass der Esoterikboom seinen Zenit längst überschritten hat. Heute seien die neuen Bio- und Informationstechnologien von Interesse und Magie und Geisterglaube ein alter Zopf.

Jedenfalls sind in der letzten Zeit bei etablierten Zeitschriften mit weltanschaulicher Herkunft deutliche Veränderungen festzustellen. Nein, die Osho Times stellt ihr Erscheinen nicht ein. Im 21. Jahrgang berichtet die deutsche Ausgabe auch in diesem Jahr treu und brav über das "Buddhafield Germany". Ästhetisch relativ ansprechende Bilder und natürlich ein mindestens 12 Seiten langer "Diskurs" sowie ein ganzseitiges Portrait des Meisters, um im Wechselrahmen den Hausaltar zu schmücken, dürfen dabei - wie immer - nicht fehlen.

Ein gravierender Wechsel fand hingegen bei der ehemals verbreiteten Zeitschrift Esotera statt. Unter dem Chefredakteur Gerd Geisler, der das Magazin 1973 von seinem Vater übernahm, wurde häufig differenziert über okkulte und parapsychologische Phänomene berichtet. Zunehmend wurden Angebote weltanschaulicher Lebenshilfe und spirituelle Wege des Ostens vorgestellt. Nicht selten erfolgte die Berichterstattung euphorisch und unkritisch, manches Mal jedoch gut recherchiert, thematisch aktuell und zumindest mit kritischen Zwischentönen.

Die Zeitschrift Esotera gehörte dem Hermann Bauer Verlag, einer der ersten Verlage in Deutschland, der ein rein esoterisches Verlagsprogramm führte. Im Sommer 2000 wechselte der Verlag wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Besitz. Als der neue Eigentümer verlautbaren ließ, das die Zukunft der Zeitschrift im Wellnessbereich liege, verabschiedete sich der Chefredakteur - und mit ihm viele treue Leser. Als Folge davon musste der neue Eigentümer schon im April 2001 Insolvenz anmelden. Im Herbst fand der Insolvenzverwalter für die schwer angeschlagene Esotera einen Käufer. Für 185 000 Euro wechselte sie abermals den Besitzer: ein branchenferner, ehemaliger NVA-Aufsteiger aus Ostberlin erhielt den Zuschlag. Jetzt wurde allen Redakteuren gekündigt und die Zusammenarbeit mit dem werbewirksamen "Herausgeber" Rüdiger Dahlke beendet. Ein Konkurrenzblatt fragte spöttisch: "Quo vadis, Esotera? Katharina Witt oder Nina Hagen erscheinen auf dem Titel, doch der Inhalt ist dünn. Wen interessiert, ob Madonna Schlammbäder macht oder Tom Cruise Algencocktails trinkt? Mal sehen. Der neue Spagat scheint nun der zwischen Spiritualität light, Wellness und Prominentenpflege à la Gala zu sein. Esoterik im eigentlichen Sinne fehlt" (Connection Special 66 [2003], 43).

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