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Materialdienst 5/2003
Islam

Al-Nur-Moschee in Berlin

(Letzter Bericht: 11/2002, 345f) In den letzten Wochen ging die arabische al-Nur-Moschee (Nur = Licht) in Berlin mehrfach durch die Presse, seit einer Polizei-Razzia in der vorletzten März-Woche ist sie einstweilen geschlossen. "Islamisten aus dem Umfeld der Neuköllner Al-Nur-Moschee" werden - so Meldungen des Berliner Tagesspiegels (u.a. vom 23. März 2003) - Verbindungen zu dem Anschlag auf der Insel Djerba und zu al-Qaida nachgesagt, ebenso zu weiteren in Deutschland geplanten Anschlägen.
 
Die relativ junge Moschee wurde im Sommer 2001 von einem Saudiarabier und zwei Libanesen in einem Neuköllner Gewerbegebiet, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Marlboro/Philip Morris, in den ehemaligen Räumen einer Fensterfabrik gegründet, ein schmuckloser Sechzigerjahre-Bau mit Waschbeton-Außenwänden. Sie ist seither zu einer Anlaufstelle besonders für Studierende aus mehreren arabischen Ländern, inbesondere junger Palästinenser geworden. Viele von ihnen sind mit deutschen Frauen verheiratet, die ihrerseits eine aktive Frauenarbeit in der Moschee betreiben, einschließlich eines Islamologie-Kurses. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Deutschsprachigen Muslimkreis Berlin (DMK) wird erwähnt, zu dem auch ein Link auf der Website der Moschee
(www.al-nur-moschee.de) führt. Ein anderer Link führt zum Zentralrat der Muslime, die Moschee selbst ist aber keinem Verband angegliedert. Als weitere Links finden sich: Teblig (eine Online-Enzyklopädie über Themen des Islam) sowie zwei namhafte internationale muslimische Hilfsorganisationen, Islamic Relief e.V. und Muslim Aid International. Die Moschee ist verfasst unter dem Namen "Islamische Gemeinschaft Berlin".

Die Bundesanwaltschaft und die Polizei gehen davon aus, dass die Moschee über islamistische Verbindungen verfügt. So habe man beobachtet, dass hier der "11. September bejubelt" worden sei, manche haben die Moschee gar als "Sammelbecken von Islamisten" ausgemacht (Tagesspiegel v. 23.3.2003). Es gibt allerdings auch Stimmen, die meinen sagen zu können, dass vermutlich nur einzelne radikale Muslime gelegentlich am Freitagsgebet teilnehmen, ohne dass dies etwas über die Moschee insgesamt aussage. Ein endgültiges Urteil bleibt abzuwarten, bis die entsprechenden Ermittlungen zum Abschluss gekommen sind.

Ulrich Dehn

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