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Materialdienst 2/2009
Hinduismus

Zu Besuch bei Eckankar in Berlin

(Letzter Bericht: 1/2000, 28ff) Es ist ein Freitagabend im Herbst 2008: In einer familiären und aufgeschlossenen Atmosphäre beginnt der Gottesdienst der „Eckisten“. Er findet einmal im Monat im kleinen Eckankar-Center in Berlin-Charlottenburg statt. 20 Personen, in der Mehrzahl Frauen, sind in dem kleinen Raum zusammengekommen. Der Altersdurchschnitt liegt zwischen 30 und 45 Jahren.

Ursprünglich kommt Eckankar aus der indischen Sant-Mat-Tradition bzw. aus dem Sikhismus. Hier ohne „c“ geschrieben könnte eine Verknüpfung mit der indischen Zahl eins (ek) oder dem Urmantra „Om“ bestehen. In diesem Zusammenhang bedeutet „ek“ Klangstrom oder die Gotteskraft.1 Die Anhänger bezeichnen Eckankar selbst als die „Religion vom Licht und Ton Gottes“2. Das Licht und der Ton Gottes werden als Aspekte definiert, „durch die sich das ECK, der Heilige Geist, ausdrückt“3. Die in Amerika weit verbreitete religiöse Bewegung, die ihren Hauptsitz in Minneapolis hat, ist auch in vielen Städten Deutschlands vertreten, jeweils aber nur mit einer kleinen Anhängerzahl. In München ist Eckankar im Vereinsregister als „Gemeinnützige Studiengruppen e. V.“ eingetragen.4 Die Anhängerzahl weltweit wird auf 20000 bis 30000 geschätzt5.

Die 1965 von dem US-Amerikaner Paul Twitchell (1909-1971) gegründete Vereinigung versteht ihre Lehre, so der derzeitige „Eck-Meister“ Harold Klemp, als einen eigenen, auf jeden Menschen „zugeschnittenen Zugang zum Reich Gottes“6. Eine zentrale Rolle spielen dabei die spirituellen Übungen und das Stufensystem mit den Initiationen, die über Traumdeutung und Seelenreisen die „Gottrealisation“ ermöglichen sollen. Ein oft herangezogenes Beispiel für eine solche Übung – eine von angeblich hunderten, die Eckankar lehrt – ist der sog. HU-Gesang. Hierbei soll der Übende mit geschlossenen Augen laut oder leise HU (ausgesprochen „hjuu“) singen und dabei an ein spirituelles Zitat denken oder an jemanden, den er liebt. Danach soll der Ruhe „gelauscht“ werden. Damit werde die Erfahrung des göttlichen ECK möglich – oder der Einzelne könne einen neuen Einblick in sein eigenes Leben gewinnen. Bei Eckankar soll diese Erfahrungen jeder machen können, sie werden nicht als Privileg für Auserwählte angesehen.7

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1 Vgl. Reinhart Hummel, Gurus, Meister, Scharlatane. Zwischen Faszination und Gefahr, Freiburg i. Br. 1996, 179.
2 Sein Magazin 156, August 2008, 32.
3 Ebd.
4 Vgl. www.eckankar.de/33.html.
5 Vgl. R. Hummel, a.a.O., 183.
6 Harold Klemp, ECKANKAR. Uralte Weisheit für die heutige Zeit, Minneapolis 32004, 1.
7 Vgl. ebd., 23.

Julia Urbanski, Berlin

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