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Materialdienst 9/2009
Islam

Repräsentative Studie zu Muslimen in Deutschland

Die erste bundesweit repräsentative Studie über „Muslimisches Leben in Deutschland“ ist im Juni bei der vierten und für diese Legislaturperiode letzten Plenarsitzung der Deutschen Islamkonferenz vorgestellt worden. Ziel der von der Islamkonferenz in Auftrag gegebenen und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführten Untersuchung war es, belastbares Material über die Vielfalt des Lebens von Muslimen mit Migrationshintergrund in Deutschland zu präsentieren, dabei die konfessionelle Zusammensetzung so genau wie möglich zu bestimmen und über das religiöse Alltagsleben sowie den Integrationsprozess zu berichten. Sie geht darin über die Studie „Muslime in Deutschland“ (Katrin Brettfeld / Peter Wetzels 2007) hinaus und setzt auch methodisch einige andere Akzente.

Zu den eher überraschenden Ergebnissen gehört, dass es in Deutschland deutlich mehr Muslime gibt als bisher angenommen, nämlich zwischen 3,8 und 4,3 Millionen, was rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht (bisherige Schätzungen gingen von 3,1-3,4 Millionen aus), ebenso dass 70 Prozent der Frauen nie ein Kopftuch tragen, was immerhin auch für jede zweite Muslimin gilt, die sich als „stark gläubig“ bezeichnet.

Weniger überraschend ist der Befund, dass 86 Prozent sich entweder für „eher gläubig“ oder „stark gläubig“ halten. Ebenfalls ist bekannt, dass auf dem Gebiet der Bildung nach wie vor Defizite bestehen, wenn auch im Generationenverlauf eine Steigerung zu verzeichnen ist. Gesellschaftlich sind Muslime besser integriert als oft vermutet. Immerhin haben rund 45 Prozent einen deutschen Pass, über die Hälfte ist Mitglied in einem deutschen (nicht rein herkunftslandbezogenen) Verein. In religiösen Vereinen oder Gemeinden organisiert sind indessen nur 20 Prozent; von den Islamverbänden fühlt sich kaum ein Viertel der Muslime vertreten. Dass es einen Koordinationsrat der Muslime (KRM, seit April 2007) gibt, weiß überhaupt nur jeder Zehnte, und nur 2 Prozent fühlen sich in religiösen Fragen von ihm vertreten. Aber mehr als drei Viertel aller Muslime würden sich einer Hauptforderung der Verbände anschließen: Sie wünschen sich einen islamischen Religionsunterricht an den Schulen.

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Friedmann Eißler

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