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Materialdienst 9/2009
Buddhismus

Willigis Jäger gründet westliche Zen-Linie

(Letzter Bericht: 8/2007, 292ff) Vor über 40 Jahren, im August 1967 bei der Tagung „Arzt und Seelsorger“ im bayerischen Schloss Elmau, hielt der Jesuit Hugo M. Enomiya-Lassalle (1898-1990) seine erste Zen-Einführung im Westen. Der Japan-Missionar hatte 1943 begonnen, sich intensiv auf die Zen-Meditation einzulassen. Sein wichtigster Lehrer war der japanische Zen-Meister Yamada Kôun Roshi, der von 1970 bis zu seinem Tod 1989 Oberhaupt einer Reformbewegung im Zen war.

Diese Laien-Zen-Gemeinschaft, die Sanbô-Kyôdan-Schule, war erst in den 1950er Jahren gegründet worden und wurde vom japanischen Staat anerkannt. Sie streifte traditionelle buddhistische Traditionen und Formen ab und sah in der „Erleuchtung“ die zentrale Zen-Erfahrung. Manche bezeichnen die Sanbô-Kyôdan-Schule deshalb auch als eine japanische Form des New Age. Gerade im christlichen Milieu stieß diese Meditationsform auf fruchtbaren Boden, und es entstand eine Reihe von Meditationshäusern im kirchlichen Kontext mit Zen-Lehrern dieser Schule (1978 St. Franziskus in Dietfurt, 1980 St. Benedikt in Würzburg, 1988 der Ohof bei Hannover, geleitet von der evangelischen Pastorin Gundula Meyer). Deshalb wird sie zuweilen auch als „christliches Zen“ bezeichnet. Heute gibt es über ein Dutzend autorisierte Zen-Meister dieser Linie in Deutschland, von denen manche in kirchlichen Zusammenhängen arbeiten.

Der Benediktiner Willigis Jäger, Jahrgang 1925, arbeitete in den 1960er Jahren für katholische Hilfswerke auch in Japan und wurde vom Wirken Lassalles beeinflusst. Auch er wurde Schüler von Yamada Kôun Roshi und trat 1975 für sechs Jahre in Yamadas Kloster ein. 1981 kehrte er mit eigenem Zen-Namen und der Lehrerlaubnis nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung des katholischen Meditationszentrums St. Benedikt. Immer deutlicher kehrte sich Jäger im Laufe der Zeit von christlichen Grundüberzeugungen ab, was zum Bruch mit seiner Kirche führte (vgl. MD 3/2002, 81ff). Werner Thiede hält dem Benediktiner vor, mit seiner postmodernen Theologie einen „spirituellen Monismus“ entworfen zu haben, der den Kern christlicher Begegnungs- und Liebesmystik verfehle.1 Allerdings herrscht unter den Zenlehrern der Sanbô-Kyôdan-Schule seit jeher ein Grundsatzstreit darüber, ob und wie Zen-Meditation im Rahmen des christlichen Glaubens möglich ist, und manche seiner Kollegen widersprechen Jägers Kritik an der christlichen Tradition vehement.

Seit 2001 war Jäger spiritueller Leiter des Vereins „Spirituelle Wege“ und bildete weiter Meditationslehrer aus. 2003 fand der Umzug in den aufwändig restaurierten Benediktushof statt (www.benediktushof-holzkirchen.de). Dieses Meditationszentrum sieht sich mit einer Auslastung von über 33000 Übernachtungen pro Jahr heute als eines der bedeutendsten spirituellen Zentren in Europa an.

Anlässlich des jährlichen Sommerfestes wurde im Juni 2009 im Benediktushof ein neues Buch Jägers vorgestellt, und es wurde bekannt gegeben, dass Jäger am 11. Januar 2009 die Sanbô-Kyôdan-Schule formell verlassen hat, um eine eigene, selbständige Gemeinschaft („sangha“) zu gründen (vgl. www.zen-liniewilligisjaeger.de). Diese westliche Zen-Linie bleibe unverändert Zen, so Jäger, lege ihren Schwerpunkt jedoch auf eine transkonfessionelle spirituelle Praxis und auf eine evolutionäre Spiritualität.

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Michael Utsch

1 Vgl. Werner Thiede, Willigis Jägers spiritueller Monismus, in: Deutsches Pfarrerblatt 3/2007, 152-154 (www.werner-thiede.de, Rubrik „Texte“); s. dazu auch Bernhard Grom, Christliches Zen? In: Stimmen der Zeit 6/2007, 361f.

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