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Materialdienst 8/2009
Buddhismus

Buddhistische Feuerzeremonie in Berlin

Nach Taiwan, Paris, New York zum ersten Mal in Deutschland: 3500 Interessierte aus aller Welt folgten im Juni 2009 der Einladung des buddhistischen Shinnyo-En-Ordens zur bisher größten Saisho-Goma-Zeremonie außerhalb Japans. Im Berliner Velodrom stand das imposante Feuerritual mit Gebeten zur Erlösung für verstorbene Seelen im Mittelpunkt einer professionell arrangierten Großveranstaltung, die laut Veranstalter dem Wunsch Ausdruck verleihen sollte, „die universellen Werte der Harmonie und des Friedens über alle Grenzen hinweg mit anderen zu teilen“.

Tatsächlich war das Ganze als großes interreligiöses Event inszeniert. Unter harmonisch aufeinander abgestimmten Lichteffekten und Videoprojektionen erklang Musik aus verschiedenen Religionen. So intonierte das jüdische Vokalensemble der Synagoge Pestalozzistraße das „Kol Nidre“, einen emotionalen religiösen Gesang, der zum Höhepunkt des jüdischen Versöhnungstages gehört. Der gemischte Chor (!) des privaten Konservatoriums für türkische Musik in Berlin (Nuri Karademirli) sang zu den Klängen traditioneller Instrumente das islamische „Allahu akbar“, und die Kantorei der Passionskirche Kreuzberg trug Mendelssohn mit trinitarischer Doxologie am Ende vor. Mit Sutra-Texten leitete schließlich der buddhistische Shinnyo-En-Chor zur eigentlichen Zeremonie über. In einer Prozession mit einer Gruppe von bunt gekleideten Priestern zog dazu das religiöse Oberhaupt der Gemeinschaft, die Japanerin Shinso Ito (67), vor den reich geschmückten Altar, an dessen höchster Stelle eine überdimensionale liegende Buddhastatue golden glänzte. Begleitet von den Rhythmen der japanischen Taiko-Trommeln und dem Singsang der Mantren entzündete die Tochter des Gründers der Religionsgemeinschaft feierlich das Feuer. Klangschalen und Glocken wurden angeschlagen, mit japanischen Schriftzeichen beschriebene Tafeln über dem Feuer geschwenkt. Viele Gläubige verneigten sich in tiefer Andacht. Wer die monotonen Gesänge nicht ohnehin schon kannte, verstand allerdings kein Wort. Übersetzungen gab es nicht. Und die Erklärungen im Programmheft blieben recht vage. „Der Begriff Saisho verweist auf die alles umfassende Dimension der Weisheit und Barmherzigkeit Buddhas“, war da zu lesen. Das im Mittelpunkt der Zeremonie stehende Altarfeuer symbolisiere die Weisheit Bud-dhas, das Leid und seine Ursachen, etwa falsches Verlangen, „verzehrt“. Das zweite Element Wasser stehe für das Mitgefühl Buddhas. Auf ihm wurden Lichter als Symbol für die Erlösung der Seelen dargebracht.

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Friedmann Eißler

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