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Materialdienst 6/2009
Islam

Muslimisches "SeelsorgeTelefon"

Seit dem 1. Mai 2009 kann das „Muslimische SeelsorgeTelefon“ angerufen werden. Träger des gemeinnützigen Projekts ist „Islamic Relief Deutschland“, eine muslimische Hilfsorganisation, deren internationale Mutterorganisation von Hany El Banna 1984 in Birmingham/UK gegründet wurde. Das Interesse an der Berliner Initiative sei schon vorab riesengroß gewesen, sagt M. Imran Sagir vom Seelsorgeteam und ist sich sicher, dass das Angebot gut angenommen wird. 22 fachkundig ausgebildete muslimische Ehrenamtliche, darunter zwei Imame, bieten nach Auskunft der Betreiber zunächst acht Stunden täglich (16.00 bis 24.00 Uhr) kompetente Beratung in Krisensituationen an. Neben Deutsch wird auf Wunsch auch Türkisch oder Arabisch gesprochen. Anonymität wird garantiert, außer dem normalen Telefontarif fallen keine Kosten an. In absehbarer Zeit soll Erreichbarkeit rund um die Uhr gegeben sein, wofür noch weitere Freiwillige gebraucht werden. Die gemeinsame Idee von Muslimen und Vertretern von Caritas und Diakonie wurde mit tatkräftiger Unterstützung beider kirchlicher Werke in die Tat umgesetzt. Deren jahrzehntelange Erfahrung in der Telefonseelsorge stand bei dem Ausbildungsgang für muslimische Ehrenamtliche Pate. Die enge Kooperationspartnerschaft mit Caritas und Diakonie ist mit einer begleitenden Supervision verbunden.

Zur inhaltlichen Ausrichtung wird angegeben, dass „jederzeit der islamische Rahmen von unserer Seite respektiert und bewahrt“ werde. „Rein religiöse Fragestellungen“ würden jedoch an geeignete(re) Ansprechpartner wie z. B. Moscheen weitergegeben, dafür sei das SeelsorgeTelefon keine Hotline. Ihm geht es vielmehr um Gehör und Zuwendung für Menschen in Situationen der Angst, der Trauer, der Überforderung.

In der islamischen Welt durchaus ein neues Phänomen, hat muslimische Seelsorge in letzter Zeit in Deutschland wichtige Impulse erhalten. Unterschiedliche lokale Angebote haben sich schon länger vor allem in Kliniken, Justizvollzugsanstalten und Senioreneinrichtungen etabliert, um den besonderen Bedürfnissen von Muslimen entgegenzukommen. Daneben sind neuerdings Grundausbildungen für islamische Krankenhaus- und Notfallseelsorge initiiert worden. Auf diesem Gebiet haben sich insbesondere die Evangelische Akademie der Pfalz und das Institut für deutsch-türkische Integrationsstudien und interreligiöse Arbeit in Mannheim hervorgetan, die in jüngster Zeit in Zusammenarbeit mit der „Union muslimischer Theologen/innen und Islamwissenschaftler/innen e. V.“ in Blockseminaren und Hospitationen praxisnahe Einführungen veranstaltet haben (G. Wenz, T. Kamran, M. Çimsit). Vereinzelt haben sich weitere Angebote im Internet bemerkbar gemacht, die Hilfestellung in Notlagen geben wollen, jedoch im Blick auf Inhalte und Methoden wenig aussagekräftig, wenn nicht gar zweifelhaft sind.

Der jüngsten Initiative auf dem Markt ist zu wünschen, dass sie erfolgreich ist in der Entlastung und Entspannung von Krisensituationen, für die bisher keine anonymen Ansprechpartner zur Verfügung standen. Wünschenswert wäre in Zukunft sicher die Vernetzung vorhandener Aktivitäten und ihre Konsolidierung in Ausbildung und Praxis.

Telefonnummer des Muslimischen SeelsorgeTelefons in Berlin: 030-443509821; ausführlichere Informationen: www.muslimisches-seelsorgetelefon.de.

Friedmann Eißler

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