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Materialdienst 9/2001
Ufologie

"Raelisten im Klonfieber"

(Letzter Bericht: 8/2001, 271 f) Claude Vorilhon alias „Rael“ liebt markige Sprüche und große Auftritte. Um die Öffentlichkeit zu provozieren, sind ihm offenbar alle Mittel recht. Mitten im Sommerloch 2001 gab er in einem Fernsehinterview davon eine besondere Kostprobe: „Ja, wir würden Hitler klonen. Dann könnte man ihn vor Gericht stellen. Das jüdische Volk wäre bestimmt glücklich darüber.“ – Ganz abgesehen von der Frage der Realisierbarkeit dieses Vorhabens offenbart diese Äußerung die ganze Tragweite des „raelistischen“ Machbarkeitswahns. Vorilhon wird auch nicht müde, ihn mit Absurditäten auf die Spitze zu treiben. Er ist davon überzeugt, dass die Menschen vor langer Zeit von Außerirdischen, von sog. „Elohim“, in einem Labor erschaffen worden sind.

Brigitte Boisselier, die Leiterin der „raelistischen“ Firma „Clonaid“, will ethische Bedenken nicht gelten lassen. Im Interview sagte sie: „Ich bin die erste, die sich Sorgen um eventuelle Schäden eines Embryos macht. Ich werde kein Baby mit Defekten erzeugen. Schon allein deshalb, weil ich weiß, was ich dann zu hören bekäme. Glauben Sie mir, wir sind ziemlich weit. Und wir haben Mittel zu Untersuchungen von Embryonen entwickelt, die sonst nirgends existieren.“

Wie leichtfertig und schamlos die Rael-Bewegung Sehnsüchte von kinderlosen Paaren oder verzweifelten Eltern, die ihre Kinder verloren haben, ausnutzt, dokumentiert der jüngste Fall vom August dieses Jahres: Ein US-amerikanischer Anwalt und seine Ehefrau wollten ihren gemeinsamen toten Sohn bei „Clonaid“ klonen lassen. Zwei Jahre zuvor war das Kind an einem Herzfehler verstorben. In ihrem Schmerz beschlossen die Eltern nach eigenen Angaben „zum ersten Mal, seit Jesus Lazarus erweckte, die Kluft zum Tod zu überschreiten“. Als Trost wollten sie einen „identischen Zwilling“ ihres Sohnes erschaffen lassen. Um eine exakte Kopie herstellen zu können, wollten die raelistischen Forscher die DNS aus einer Körperzelle des Toten in ein befruchtetes Ei pflanzen. Das Ehepaar soll für die Ausstattung eines entsprechenden Labors an „Clonaid“ über eine Million Mark bezahlt haben. Doch US-amerikanische Behörden kamen dem Vorhaben auf die Spur und stoppten es schließlich. Der Anwalt zog seinen Auftrag bei Frau Boisselier zurück. Nach jüngsten Zeitungsmeldungen musste sich „Clonaid“ kürzlich gegenüber der US-Aufsichtsbehörde FDA verpflichten, keine Klonversuche in den USA durchzuführen. Trotz dieser Rückschläge hält Boisselier an ihrem Vorhaben fest. Vor dem Ausschuss der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) in Washington am 7. August 2001 ließ sie daran keinen Zweifel. Die Frage allerdings bleibt, wo die „Raelisten“ ihre Klon-Pläne in die Tat umsetzen werden.

Matthias Pöhlmann

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