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Materialdienst 2/2012
Rosenkreuzer

Ein Besuch beim Lectorium Rosicrucianum in Berlin

(Letzter Bericht: 10/2007, 383ff, vgl. auch 3/2001, 84ff) Die Rosenkreuzer gelten nach wie vor als geheime, mystische Gesellschaft, die ihr Wissen nicht nach außen trägt. Umso spannender erscheint der Besuch eines Tempeldienstes der Rosenkreuzer-Gemeinschaft Lectorium Rosicrucianum, deren Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes ihren Berliner Sitz in Neukölln hat. Regelmäßig werden in den Zentren öffentliche Tempeldienste angeboten, an denen Gäste teilnehmen können. Der Tempeldienst hat im äußeren Rahmen Ähnlichkeit mit dem christlichen Gottesdienst, unterscheidet sich jedoch deutlich in den Inhalten. Die Schule ist in einem schlichten, mehrstöckigen Gebäude im Neuköllner Ortsteil Rixdorf untergebracht. Neben der verglasten Eingangstür, auf der in goldenen Lettern der Name der Schule eingetragen ist, befindet sich ein Fenster mit Schautafeln.

Nach und nach trafen an einem Sonntagvormittag im November 2011 die ersten Personen ein, augenscheinlich „ganz normale Menschen“. Wir Gäste wurden wie alle Ankömmlinge von einem älteren Herrn empfangen, der uns freundlich über den weiteren Ablauf informierte. In einem Wartebereich im ersten Stock fanden sich allmählich immer mehr Menschen ein. Dieser Bereich war in schlichtem Weiß gehalten, unterbrochen durch einige Blumen und ein an der Stirnseite angebrachtes Gemälde von einem Phönixvogel, der sich mit prächtigen Schwingen aus einem Flammenmeer erhebt. Die Bestuhlung ermöglichte es den Besuchern, in kleinen Kreisen zu sitzen. Der Tempeldienst war als öffentliche Veranstaltung für jedermann zugänglich; bei den meisten Anwesenden handelte es sich aber wohl um Mitglieder oder „Schüler“, da sie sich lächelnd zunickten und miteinander vertraut schienen. Die Stimmung im Warteraum war höflich bis freundlich, Einzelne begrüßten sich, ansonsten herrschte Schweigen, das einen Hauch von Feierlichkeit barg, aber auch an die Betretenheit im Wartezimmer eines Arztes erinnerte. Die ca. 50 bis 60 Teilnehmer waren überwiegend in mittleren bis älteren Jahren; eine andernorts stattfindende Jugendkonferenz der Rosenkreuzer könnte den hohen Altersdurchschnitt erklären. Manche Männer waren im Anzug, die meisten hatten Straßenkleidung an, ein paar wechselten ihre Schuhe. Nach einigen Minuten trat ein weiterer älterer Herr in die Mitte des Raums und bat die Anwesenden, in den zweiten Stock zu gehen, wo der Tempeldienst stattfinden sollte.

Auffällig war, dass beim Verlassen des Warteraums ein scheinbar stiller Konsens die Menschen nicht nacheinander aus dem Raum gehen ließ, sondern dass sich einzelne Personen bewusst Zeit ließen, vielleicht zur Besinnung. Mehrmals schien es einen Moment lang so, als wollte niemand mehr aufstehen und den Raum verlassen, aber dann ging es doch wieder voran. Im zweiten Stock erwartete uns besinnliche Klaviermusik, gespielt auf einem weißen Flügel, außerdem Platzanweiser, die uns aufforderten, die Stuhlreihen aufzufüllen in der Reihenfolge, in der wir kamen. Auf jedem Stuhl lag ein Liederbuch mit der Aufschrift „Tempellieder“. An der Wand hing ein goldenes Kreuz mit einer Rosenblüte in der Mitte. Weitere Symbole in dem ansonsten wieder weiß und schmucklos gehaltenen Raum waren ein Krug und eine aufgeschlagene Bibel.

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Tobias Lauer, Marburg, und Claudia Knepper

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