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Materialdienst 1/2011
Film und Literatur

Sünners kreatives Universum

In seinem neuesten Film „Das kreative Universum – Naturwissenschaft und Spiritualität im Dialog“ konstatiert Rüdiger Sünner eine Spannung zwischen einem Weltbild der Naturwissenschaften, die als „die große Wissensautorität“ gelten, und spirituellen Weltbildern mit „umfassenderen Sinnhorizonten“, zu denen sich immer mehr Menschen hingezogen fühlten (www.daskreativeuniversum.de). Diese Spannung entlädt sich gleich in den ersten Bildern von Sünners Film explosiv im Terroranschlag auf das World Trade Center in New York 2001. Der Anschlag religiöser Fanatiker habe auch den westlichen Naturwissenschaften gegolten, so Sünner. Im Gegenzug blies bekanntermaßen der Evolutionsbiologe Dawkins zum polemischen Sturm auf die Religionen als solche. Diese von ihm als unerträglich empfundene Frontstellung von Wissenschaften und Religion nahm Sünner zum Anlass, in einem Film nach der Verbindung zwischen beiden „Welten“ zu fragen. Es kommen zahlreiche Biologen und Physiker zu Wort, die einen solchen Brückenschlag bereits vollziehen, sei es, dass sie der Anthroposophie nahestehen (Bernd Rosslenbroich, Wolfgang Schad, Wolfram Schwenk, Johannes Wirz, Arthur Zajonc), die naturwissenschaftliche mit einer theologischen Existenz in ihrer Person vereinen (George Coyne, John Polkinghorne) oder eigene kreative Wege in der Wissenschaft gehen (Rupert Sheldrake, Stuart Kauffman, Hans-Peter Dürr, Joachim Bauer, Thomas Görnitz, Stephan Harding, Simon Conway Morris). Gezielt hat Sünner nach wissenschaftlichen Vertretern gesucht, deren Forschungen „Raum für göttliche oder transzendente Kräfte lassen“.

Somit versammelt der Film eher wissenschaftliche Außenseiterpositionen. Da die Sichtweisen der „interessanten Querdenker“ unwidersprochen bleiben und seriöse Aussagen ununterschieden neben pseudowissenschaftlichen Theorien – zum Beispiel über das Strömungsverhalten von Wasser – präsentiert werden, ist es für den Laien schwer, sich ein Bild zu machen. Herkömmliche und auch alternative Erklärungsmodelle werden kritisiert und in Frage gestellt, ohne dass es zu einer nachvollziehbaren Auseinandersetzung kommt. Allerdings vermag es der Film, den Zuschauer ins Staunen über das Wunder der Natur zu versetzen. Das wird nicht zuletzt durch die fast meditativ wirkende Ästhetik des Films unterstützt. Wissenschaft präsentiert sich hier weniger als nüchtern berechnend, sondern als leidenschaftlich fragend. Ausgehend vom erreichten enormen Wissensstand von Biologie und Physik bewegt sich der Film an den Rändern dessen, was wir bisher erklären können. War das Universum auf die Entstehung des Lebens hin angelegt? Strebte die Evolution auf die Entwicklung des Menschen zu? Woher kommen Ordnungsstrukturen? Wie ist der Überschuss an Schönheit und Vielfalt von Kosmos und Natur zu erklären? Mehrere befragte Wissenschaftler stimmen im Film darin überein, dass nicht die von den Wissenschaften gut untersuchte Materie das Entscheidende sei, sondern die Beziehungen zwischen den Teilchen, die bisher kaum verstandenen „Informationen“, wie sich Materie ordnet, also etwas, das mit „Geist“ bzw. etwas „Geistigem“ vergleichbar sei.

Diese und andere Fragen folgen einer Leitthese, die sich Sünner für den Film zu eigen gemacht hat: Die „überwältigende Kreativität innerhalb der Evolution“ sei das Bindeglied zwischen Naturwissenschaft und dem, was Sünner nicht Religion, sondern Spiritualität nennt.

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Claudia Knepper

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