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Materialdienst 2/2011
Neue religiöse Bewegungen

Reaktionen auf den Film "Guru - Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard"

(Letzter Bericht: 11/2010, 425f) Im September 2010 lief der Film „Guru – Bhagwan, His Secretary & His Bodyguard“ in Deutschland an. Er zeigt die Entwicklung der Bewegung um Bhagwan Shree Rajneesh (später Osho) von den Anfängen im indischen Poona bis zum vorläufigen Zusammenbruch der Kommune „Rajneeshpuram“ in Oregon aus der Sicht zweier enger Anhänger des indischen Gurus, seiner Sekretärin Sheela und seines Leibwächters Hugh Milne.

Der Film hat unter ehemaligen Neo-Sannyasins um Rajneesh kontroverse Reaktionen ausgelöst. Auf der einen Seite begrüßen manche früheren Anhänger den Film als gelungenen, tiefgründigen und kritischen Anstoß zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und mit Meister-Schüler-Beziehungen im religiösen Feld. Auf der anderen Seite sehen ehemalige Neo-Sannyasins die Bewegung durch den Film verunglimpft. Sie werfen den Regisseuren eine einseitige, parteiliche Sicht vor. Gemeinsam ist beiden Sichtweisen, dass sie nach wie vor grundsätzlich eine tiefe Verehrung für Osho teilen. Beispielhaft zeigt sich dies in zwei Zeitschriften aus dem Umfeld der Bewegung, die von ehemaligen Sannyasins verantwortet werden.

Wolf Schneider würdigt in „connection spirit“ (9/2010, 32f) den Film grundsätzlich als gelungen und „aufrüttelnd“. Er stimmt der kritischen Einschätzung des ehemaligen Bodyguards Rajneeshs, Hugh Milne, im Film zu, dass die schiefe Entwicklung der Bewegung begann, als der Inder sich als Messias von Amerika bezeichnete. Dieser Größenwahn sei ein Verrat an „Poona I“ gewesen, der ersten Kommune in Indien vor dem Umzug der Bewegung nach Oregon. Kritisch sieht Schneider außerdem die „Schwäche“ des Gurus, Lachgas zu konsumieren, sowie vor allem seinen „unwahrhaftigen, disloyalen“ Umgang mit seiner Sekretärin Sheela Birnstiel, der er mehr oder weniger die Führung in Oregon überlassen hatte. Anders als viele Kommentatoren des Films glaubt Schneider Sheelas Beteuerung, der Guru selbst habe alle Anweisungen zum harten Regime in Oregon gegeben, das Rajneesh später als „Faschismus“ bezeichnete. Schneider wirft ihm vor, alle Verantwortung auf Sheela abzuwälzen. Er spricht an dieser Stelle vom „unbekümmerten Umgang [Oshos] mit Fakten“ und ist letztlich doch bereit, sein Verhalten zu rechtfertigen: „Osho vertrat eine Ebene von Wahrheit, in der Fakten keine so große Rolle mehr spielen – an diesem Punkt leider zum Schaden von Sheela.“

Die Befürchtung Schneiders, dass die Wahl der Interviewpartner in den Augen ehemaliger Anhänger Rajneeshs den Vorwurf der Parteilichkeit des Films aufkommen lassen könnte, findet sich in Leserbriefen und in einem Beitrag von Jörg Andrees Elten im Magazin „Osho Times“ (10/2010, 6f) bestätigt. Elten, der als Sannyasin den Namen Satyananda trägt, zeigt sich von dem Film "Guru" zutiefst enttäuscht.

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Claudia Knepper

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