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Materialdienst 7/2011
Gesellschaft

Karlheinz Stockhausens "Sonntag aus Licht" uraufgeführt

(Letzter Bericht: 8/2010, 308ff) Als der Komponist Karlheinz Stockhausen vor rund acht Jahren seinen Mega-Opernzyklus „Licht“ vollendete, wurde dies kaum zur Kenntnis genommen, obwohl seitdem ein Opus magnum vorliegt, das in der Musikgeschichte einmalig sein dürfte und Wagners „Ring“ zu einem kurzen Menuett schrumpfen lässt: 29 Stunden Musik, verteilt auf sieben, nach den Wochentagen benannten Teilopern, an denen der Meister ungefähr 25 Jahre lang gearbeitet hat.

Dass die Intendanten nicht sofort danach lechzten, ihre Opern im wahrsten Sinne des Wortes zu „Licht-Spielhäusern“ zu machen, hatte mehrere Gründe: Zum einen waren die bis dahin gezeigten Opern „Donnerstag“, „Samstag“, „Montag“, „Dienstag“ und „Freitag“, die in Mailand bzw. im Falle des „Freitags“ und „Dienstags“ in Leipzig über die Bühne gegangen waren, dank Stockhausens Einfallsreichtums und Klangansprüchen äußerst aufwendige Produktionen, zum anderen bestätigten sie Kritiker in ihrem Verdacht, dass sie vor Stockhausen’scher Privatmythologe und -religion nur so trieften, also für ein gewöhnliches Opernpublikum schwer verdaulich bis unzumutbar seien. Als sich der „Zeit“-Redakteur Claus Spahn einer nahezu vollständigen „Licht“-Aufführung im heimischen CD-Player hingab, fragte er sich und seine Leser hinterher: „Ist es nicht ein komisches Gefühl, an einem Gottesdienst teilzunehmen, dessen religiöse Botschaft man nicht teilt?“ „Licht“ nicht als einen solchen „Gottesdienst“ zu inszenieren, kam für niemanden infrage, da eine Aufführung ohne Einfluss und Mitwirkung des Komponisten schlichtweg nicht denkbar war.

Doch am 5. Dezember 2007 starb Karlheinz Stockhausen, und die große Lücke, die sein Tod in der Musiklandschaft der Gegenwart hinterließ, machte es nun ebenso möglich wie reizvoll, diesen Komponisten (neu) zu entdecken. Plötzlich wurden Projekte möglich, die man kurze Zeit zuvor noch für unrealisierbar gehalten hätte, so etwa eine Gesamtaufführung von „Klang – Die 24 Stunden des Tages“, ein unvollendet gebliebener Zyklus, der nach „Licht“ entstand und 2010 in Köln inszeniert wurde. Ebenfalls in Köln wagte man sich nun an den ganz großen Wurf und brachte im April 2011 den angeblich unaufführbaren „Sonntag aus Licht“ auf die Bühne. Dass sich jedoch die Schwierigkeiten eines solchen Projekts mit Stockhausens Tod nicht einfach in Luft aufgelöst hatten, zeigte das Gerangel Kölner Politiker um einen städtischen Zuschuss in Höhe von 450000 Euro, und das ganze Vorhaben hing wohl mehr als einmal am seidenen Faden.

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Christian Ruch, Chur/Schweiz

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