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Materialdienst 7/2011
Kirche

Draußen, aber doch drinnen?

Hartmut Zapp, von 1998 bis 2004 Kirchenrechtler an der katholischen Fakultät der Universität Freiburg, ist am Verwaltungsgerichtshof in Mannheim gescheitert und hofft jetzt auf das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Der emeritierte Theologe hatte versucht, aus der Kirche als Steuerpflichtiger auszutreten und gleichzeitig in der Kirche als Glaubensgemeinschaft zu bleiben. Es war der Versuch, eine dialektische Theorie in der Praxis zu verwirklichen. Im Jahr 2007 formulierte der 70-jährige Hartmut Zapp seinen Kirchenaustritt so, dass er annahm, seine Rechtsauffassung damit zu dokumentieren. Er trat aus der Religionsgemeinschaft als „römisch-katholisch, Körperschaft des öffentlichen Rechts“ aus. Dieser Zusatz sollte verhindern, dass Zapp nun exkommuniziert würde, wie es die Deutsche Bischofskonferenz seit 1969 praktiziert. Zapp beharrte darauf, nur aus dem staatlichen Konstrukt der Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) auszutreten und keine erzwungene Kirchensteuer mehr zu bezahlen. Er sei aber weiterhin Glied der einen, heiligen, katholischen Kirche und verlangte die volle Zulassung zu den Sakramenten. Er wollte zukünftig einen freiwilligen Betrag, unterhalb des Kirchensteuersatzes, an die Kirche abführen.

Das Erzbistum Freiburg wurde hellhörig und verklagte die Gemeinde Staufen, weil sie den Austritt in dieser Form bestätigte. Das Erzbistum klagte auf Ungültigkeit des Austritts. 2009 entschied das Verwaltungsgericht Freiburg erstinstanzlich gegen das Erzbistum. Die Richter urteilten, dass es sehr wohl möglich sei, nur aus der Körperschaft „Kirche“ auszutreten und sich weiter als Mitglied der Glaubensgemeinschaft „Kirche“ zu sehen. Für einen Moment sah es so aus, als „würde ein pensionierter Kirchenrechtler die seit 1919 bestehende Kirchensteuer kippen, mit unabsehbaren Folgen für die großen Kirchen“ (www.sueddeutsche.de).

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Michael Hausin, Uhldingen-Mühlhofen

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