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Materialdienst 5/2011
Freigeistige Bewegung

Fast jeder sechste Berliner Schüler besucht den Lebenskundeunterricht

(Letzter Bericht: 12/2010, 467ff) In Berlin ist der Religionsunterricht kein ordentliches Lehrfach. Er ist hier nur ein freiwilliges Angebot der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Verschiedene Faktoren erschweren den Stand des Religionsunterrichts. So gibt es seit 2005 das Pflichtfach Ethik, das von allen Schülern besucht werden muss. Ferner finden wir, nahezu einmalig im Bundesgebiet, ein Konkurrenzfach zum Religionsunterricht: Aus den Wurzeln der Freidenker-Bewegung ist der Weltanschauungsunterricht des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD), die „Humanistische Lebenskunde“, hervorgegangen.

Dieses Unterrichtsfach hat in Berlin eine lange Tradition. Es wurde 1918 als Alternative zum Religionsunterricht erstmals eingeführt. Nach einer wechselvollen Geschichte mit zeitweiligen Verboten konnten die Freidenker 1984 im damaligen Westteil der Stadt das Fach neu etablieren. Vorausgegangen waren heftige Diskussionen. Bis 1989 führte die Humanistische Lebenskunde jedoch ein „Schattendasein“ mit ca. 1000 Teilnehmern pro Schuljahr. Erst mit der Wiedervereinigung gewann das Unterrichtsfach zunehmend an Bedeutung.

Inzwischen liegen die aktuellen Zahlen für das laufende Schuljahr vor. Danach besucht etwa jeder zweite Schüler (51,4 Prozent) einen freiwilligen Religions- und Weltanschauungsunterricht. Die Teilnahmequote ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. Entgegen manchen Befürchtungen hat das Pflichtfach Ethik den Religions- und Weltanschauungsunterricht also bisher nicht verdrängt.

Derzeit nehmen 15,56 Prozent der Schüler (49 813) am Humanistischen Lebenskundeunterricht teil. Es lohnt ein Vergleich: 25,12 Prozent (80 393) der Kinder in Berlin besuchen den evangelischen Religionsunterricht, 7,82 Prozent (25 021) den katholischen Religionsunterricht. Während die beiden großen Kirchen eine geringe Abnahme ihrer Teilnehmerzahlen vermerken, weist der HVD auf eine leichte Steigerung hin. Diese Steigerung ist beachtlich, da die absoluten Schülerzahlen aufgrund der demografischen Entwicklung rückläufig sind. Wenig verwunderlich ist, dass der Lebenskundeunterricht in den östlichen Stadtteilen überproportional stark besucht wird. Spitzenreiter ist dabei der Bezirk Pankow mit einer Teilnahme von 28,14 Prozent. Der katholische Religionsunterricht wird in diesem Bezirk von weniger als 5 Prozent der Schüler besucht.

Je nach Schultyp lassen sich interessante Unterschiede benennen.

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Andreas Fincke, Berlin

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