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Materialdienst 12/2011
Reinhard Hempelmann

"Religionen, Religiosität und christlicher Glaube"

Erinnerung an die VELKD/AKf-Studie

Das Thema „Christlicher Glaube und nichtchristliche Religionen“ ist weiterhin in der Diskussion. Wir erinnern an die vor 20 Jahren publizierte Studie „Religionen, Religiosität und christlicher Glaube“, gefolgt von einem Blick auf die religionstheologischen Impulse, die gegenwärtig von der sogenannten „Komparativen Theologie“ ausgehen.


Stellungnahmen zur Frage des Verhältnisses des christlichen Glaubens zu den nichtchristlichen Religionen sind ebenso zahlreich wie vielstimmig geworden. Die Diskussion über die religionstheologischen Modelle Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus geht zwar weiter, gleichzeitig drängt sich der Eindruck auf, dass es dabei vor allem um den Wettstreit unterschiedlicher inklusivistischer Perspektiven geht; neuerdings auch um eine auf konkrete Themen zielende komparative Religionstheologie, die sich mit unterschiedlichen theologischen Interessen verbindet. Römisch-katholische Theologinnen und Theologen sind sich in ihren Stellungnahmen zur Religionstheologie genauso wenig einig wie ihre evangelischen Kolleginnen und Kollegen. Was Erstere freilich miteinander verbindet, ist die Bezugnahme auf einschlägige Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), insbesondere auf die „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ (Nostra aetate). Ein solcher gemeinsamer Bezugspunkt fehlt im Kontext evangelischer Theologie. Umso wichtiger ist es, die vorliegenden religionstheologischen Stellungnahmen zur Kenntnis zu nehmen und ihre Anliegen in heutigen Diskursen zu berücksichtigen.

Hinweise zur Rezeption

1991 wurde im Auftrag der Arnoldshainer Konferenz (AKf) und der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) die Studie „Religionen, Religiosität und christlicher Glaube“ herausgegeben.1 Es lohnt sich, an diese Studie nach 20 Jahren zu erinnern. Sie enthält wichtige Impulse und formuliert Perspektiven, die für gegenwärtige religionstheologische Diskurse und kirchliches Handeln von Relevanz sind, und weist darauf hin, dass und wie es im Kontext evangelischer Theologie und Kirche möglich ist, zentrale Aspekte religionstheologischer Urteilsbildung auszusprechen. Mit der Erinnerung an die Studie werden zugleich Impulse des Theologen und Religionsphilosophen Carl Heinz Ratschow (1911-1999) gewürdigt, die in sie eingingen und bis in charakteristische Sprachformen hinein erkennbar sind.2

Bereits Ende 1984 beschlossen der Vorstand der AKf und die Kirchenleitung der VELKD, das Thema des Verhältnisses des christlichen Glaubens zu den außerchristlichen Religionen gemeinsam theologisch zu bearbeiten. Dies geschah dann in den Jahren 1985 bis 1990 in einer Arbeitsgruppe, deren Vorsitzende die Theologieprofessoren Ratschow und Theo Sundermeier waren. 1991 wurde das Ergebnis der Gruppe präsentiert und die Studie „Religionen, Religiosität und christlicher Glaube“ publiziert. Sie fand Beachtung, wurde rezipiert und geriet auch in Vergessenheit. Anders ist kaum zu erklären, dass in dem 2003 publizierten Beitrag der Kammer für Theologie „Christlicher Glaube und nichtchristliche Religionen. Theologische Leitlinien“ (EKD-Texte 77), der mit guten Argumenten einen differenzhermeneutischen Zugang zum Verstehen nichtchristlicher Religionen entfaltet, die Studie unerwähnt bleibt.

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Anmerkungen

1 Religionen, Religiosität und christlicher Glaube. Eine Studie, hg. im Auftrag der VELKD und der AKf, Gütersloh 31993, zuerst veröffentlicht 1991.
2 Aufgenommen wurden Impulse Ratschows vor allem von Christoph Schwöbel. Vgl. ders., Christlicher Glaube im Pluralismus, Tübingen 2003. Zu Ratschows Religionstheologie vgl. auch Ekkehard Wohlleben, Die Kirche und die Religionen. Perspektiven einer ökumenischen Religionstheologie, Göttingen 2004, 222-232.

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