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Materialdienst 9/2006
Matthias Pöhlmann / Christian Ruch

Die Nebel von Orvonton

Deutsche Übersetzung des "Urantia"-Buchs erschienen

Der deutschsprachige Markt der „Channeling“-Literatur ist seit kurzem um ein weiteres Werk reicher. Das bisher nur auf englisch, spanisch, finnisch, französisch, holländisch, litauisch und russisch vorliegende „Urantia“-Buch (UB)1 wurde mit großem zeitlichen Aufwand ins Deutsche übersetzt, weitere Übertragungen (darunter eine portugiesische und italienische Ausgabe) sollen folgen. Dass sich die Übersetzungsarbeit so lange hinzog – von 13 Jahren ist die Rede –, dürfte nicht zuletzt am äußerst komplexen Inhalt des Buches und vor allem daran liegen, dass die Namen und Neologismen der unzähligen himmlischen und kosmischen Wesen, die das UB bevölkern, nur schwer vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen sind.

Zur Entstehung des Buches

Nach vorliegenden Informationen reicht die Entstehung des „Urantia“-Buches in den Zeitraum zwischen den 1920er und 1930er Jahre zurück. Es soll sich um eine Anthologie von Botschaften handeln, die – so heißt es auf der offiziellen Internetseite  www.urantiabook.org – zwischen 1928 und 1935 von übermenschlichen Persönlichkeiten übermittelt wurden. Dr. William S. Sadler (1875-1969)2, ein Psychiater an der Universität Chicago und ehemaliger adventistischer Prediger, wurde damals Zeuge eines außergewöhnlichen Falles: Die Frau eines Patienten hatte wahrgenommen, dass ihr Mann im Schlaf von überirdischen Personen erzählte, die sich als Offenbarer vorstellten. Deshalb wurde Sadler von ihr gebeten, sich des Falls anzunehmen und ihn zu überprüfen. Der Name des Patienten wird bis heute geheimgehalten. Es gibt Vermutungen, wonach der eigentliche Empfänger der Urantia-Kundgaben der „schlafende Prophet“ Edgar Cayce (1877-1945) gewesen sein könnte3, was aber von Urantia-Anhängern entschieden dementiert wird. Ebenso bestreiten sie, dass es sich bei dem schlafenden Medium um Sadlers Schwager, Wilfred C. Kellogg, gehandelt habe.4 Jedenfalls hielt Sadler das Phänomen für echt und unterstrich, dass es sich bei diesem Phänomen keinesfalls um Spiritismus, Channeling oder automatisches Schreiben handeln würde, da sich der Empfang der Botschaften bei diesem Mann unbewusst, d.h. im Schlaf, ereignen würde. Zudem könne sich dieser, wenn er erwachte, an nichts erinnern. Die genaue Genese des UB, insbesondere seine Verschriftlichung, liegt jedoch im Dunkeln. Sadler spielte bei der Veröffentlichung eine wichtige Rolle, denn aus dem Forscher wurde ein überzeugter Anhänger der Kundgaben. Schon bald rief Sadler einen Kreis Interessierter ins Leben, der sich Forum nannte. In ihm wurde das von dem unbekannten Patienten empfangene Material gesichtet und diskutiert. Am 11. Januar 1950 wurde die Urantia Foundation gegründet. Sie soll für die originalgetreue Drucklegung des UB und seine weltweite Verbreitung Sorge tragen. Zur ersten Leitungsgruppe zählten fünf Personen: William M. Hales (Präsident), William S. Sadler (Vizepräsident), Emma L. Christensen (Sekretärin), Wilfred C. Kellogg und Edith Cook. 1955 wurde das „Urantia“-Buch erstmals veröffentlicht und es entstand die Urantia Brotherhood, eine lose organisierte spirituelle Gemeinschaft von Lesern des Schrifttums.

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Anmerkungen

1 Das Urantia Buch [im Folgenden: UB], Softcover: ISBN 1-883395-55-0, 24.95 Euro/43,70 SFr, Hardcover: ISBN 1-883395-56-9, 29,95 Euro/52,30 SFr.
2 Zur Biographie Sadlers siehe http://en.wikipedia.org/wiki/WilliamS.Sadler.
3 So die Grundthese der nur schwer zugänglichen Publikation von John M. Bunker / Karen L. Pressler, Edgar Cayce and The Urantia Book, o.O., o.J.
4 Diese These vertritt v.a. Martin Gardner in seinem Buch Urantia. The Great Cult Mystery, Amherst / New York 1995.

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