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Materialdienst 1/2006
Dietrich Hellmund

Berichte: Die "Neue-Welt-Übersetzung" - die Bibel der Zeugen Jehovas

I. Ihre Besonderheiten

In der Welt der deutschsprachigen Bibelübersetzungen ist die Neue-Welt-Übersetzung (NWÜ) – in der englischen Ausgabe: New World Bible Translation (NWBT) – ein Sonderfall. Im Folgenden soll herausgearbeitet werden, warum dies so ist.

Ihre erste Besonderheit:
Obwohl es darüber keine Statistik gibt, wird die NWÜ in Privathaushalten anzutreffen sein, egal, ob die Familie evangelisch oder katholisch oder sonst etwas ist. Bei Zeugen Jehovas (ZJ) aber nimmt sie natürlich den „ersten Platz“ ein, denn sie verdankt ihre Entstehung der persönlichen Initiative des früheren Präsidenten der Wachtturm-Gesellschaft, Nathan Homer Knorr (1905-1977). Die starke Verbreitung der NWÜ ist eine der Wirkungen der missionarischen Tätigkeiten der ZJ, vor allem ihrer Hausbesuche.

Die zweite Besonderheit:
Die NWÜ gibt es nicht nur in Deutsch, sondern auch in anderen Sprachen. Man hat vermutet, dass sie in fast allen Sprachen erschienen sei, in die „Der Wachtturm“ und „Erwachet!“, die beiden Periodika der ZJ, übersetzt werden. Das ist nicht der Fall.„Der Wachtturm“ erschien im Jahre 2005 in 151 Sprachen; „Erwachet!“ in 82 Sprachen. Die NWBT aber wurde bis 2002 – ganz oder teilweise – in 40 Sprachen übersetzt (lt. Wachtturm vom 15.9.2002, 29). Ihr erster Teil, den wir das Neue Testament nennen, erschien im August 1950. Die Zeugen Jehovas sprechen stattdessen von den „Christlichen Griechischen Schriften“.

Eine dritte Besonderheit der NWÜ, die nicht nur in sprachlicher, sondern für uns als Christen vor allem in theologischer Hinsicht fragwürdig erscheint: Die Gottesbezeichnung „Jehova“, die bekanntlich in Glauben und Verkündigung der ZJ als vorrangig gilt, wurde nicht nur im Alten Testament, sondern darüber hinaus 237-mal im Haupttext des Neuen Testaments verwendet. Über diese Eintragung einer dogmatischen Besonderheit der ZJ ins Neue Testament wird im letzten Teil dieses Beitrags ausführlicher zu sprechen sein. Aber, so könnte jemand sagen, wenn die ZJ den Leuten eine Bibel bringen, dann haben sie doch Anteil an der Bibelverbreitung in der Welt. Die Art und Weise der Übersetzung sei ja wohl Geschmackssache.

Nun ist aber mit der Verbreitung der NWÜ ein handfestes inhaltliches Problem gegeben. Wie kann die NWÜ weltweit verbreitet sein, wenn doch im Wesentlichen nur in Deutschland und einigen Nachbarländern deutsch gesprochen wird? Hier ist auf eine vierte, eine entscheidende Besonderheit hinzuweisen: Bei der NWÜ, die die ZJ in den verschiedenen Sprachen verbreiten, handelt es sich immer um Tochterübersetzungen der englischen Vorlage, der New World Bible Translation (NWBT). Ob man nun eine ZJ-Bibel auf Französisch oder Schwedisch, Spanisch oder Portugiesisch liest, es ist immer eine Tochterübersetzung der englischen Ausgabe! Schlimmer noch: die aus den Reihen der ZJ stammenden Übersetzer sind verpflichtet, nicht etwa den griechischen bzw. den hebräischen Grundtext der Bibel für ihre Arbeit zugrunde zu legen, sondern ausschließlich die NWBT. Dieser englische Text ist für sie sozusagen der „Urtext“. Eine Kontrolle dieser „Übersetzungen“ erfolgt nur durch das Kollektiv derer, die zum Übersetzungskomitee gehören und die darauf achten, ob der englische Wortlaut auch richtig wiedergegeben wurde. Und es muss in die sektentypische Spezialsprache übersetzt werden. Diese hat sich längst bei den ZJ herausgebildet.

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