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Materialdienst 4/2006
Michael Koch

Alte Fragen - neue Antworten

Die Neuapostolische Kirche überrascht seit Anfang des Jahres die interessierte Öffentlichkeit mit einer Reihe von „Lehrkorrekturen“, die dem Außenstehenden unspektakulär erscheinen mögen und dennoch höchst bedeutsam sind (vgl. MD 3/2006, 108). Die jüngsten Neuerungen betreffen etliche Veränderungen in dem neuapostolischen Grundlagenwerk „Fragen und Antworten“. Das katechismusartige Büchlein war zuletzt 1992 neu aufgelegt worden. Die vorliegende „Änderungsmitteilung“ beweist, dass es den Verantwortungsträgern in der NAK mit ihrem Erneuerungsbemühen ernst ist. Die Lehrkorrekturen sind für weltweit etwa 10 Millionen neuapostolische Christen verbindlich. Wir haben deshalb Michael Koch, der als Angehöriger der Neuapostolischen Kirche im Webmagazin glaubenskultur.de seit 10 Jahren kritisch-konstruktiv über die NAK berichtet, um eine erste Sichtung der Änderungen gebeten.


Die Neuapostolische Kirche International hat eine umfangreiche „Änderungsmitteilung“ für den bisher gebräuchlichen neuapostolischen Katechismus „Fragen und Antworten“ (letzte Ausgabe 1992) herausgegeben.1 Insgesamt 23 Fragen wurden bearbeitet oder neu formuliert.

Zum Apostelamt
Die Neuerungen beginnen mit Frage 130: „Soll die Wirksamkeit der Apostel nur eine begrenzte Zeit dauern?“ Hier trägt man der Tatsache Rechenschaft, dass die Formulierung „Tag der Ersten Auferstehung“ offiziell abgeschafft wurde. Hieß es zuvor: „Das Apostelamt wird also auf Erden bleiben bis zum Tag der Ersten Auferstehung, da der Herr wiederkommen wird, um seine durch der Apostel Wirken vollendete Gemeinde nach seiner Verheißung zu sich zu nehmen (...).“ So heißt es nun: „Das Apostelamt wird also auf Erden bleiben bis zur Wiederkunft Christi (...).“ Die alte Formulierung tauchte erstmals in der Ausgabe von 1952 auf.

Zum Stammapostelamt
Mit der Neuformulierung von Frage 177 wird die Stellung des obersten neuapostolischen Geistlichen korrigiert. 1992 wurde festgehalten: „Der Stammapostel ist als das sichtbare Haupt der Kirche Jesu Christi in allen ihren Angelegenheiten oberste Instanz.“ Nun lautet die Antwort auf die Frage „Welche Stellung nimmt der Stammapostel innerhalb der Neuapostolischen Kirche ein?“: „Jesus Christus ist das Haupt der Kirche, der Stammapostel das Haupt der Apostel. Als oberste geistliche Autorität leitet er die Neuapostolische Kirche in allen religiösen Angelegenheiten.“ Der alte Zusatz „Er wird von den Mitgliedern der Neuapostolischen Kirche als Repräsentant des Herrn auf Erden angesehen und weiß sich selbst als Gehilfe des Glaubens seiner Brüder und Geschwister“ ist ersatzlos gestrichen worden.

Die 1992-Version lieferte für das Stammapostelamt in der Antwort zu Frage 177 folgende Begründung: „Es ist der Wille Jesu, daß seine Kirche ein sichtbares Haupt habe, zu dem die Apostel und alle Gläubigen aufschauen (vgl. Johannes 21, 15-17). Dadurch wird das Werk des Herrn zielbewußt und einheitlich geführt.“ Nun wird seine Existenz ausführlicher und mit mehr biblischen Beispielen begründet: Die Stellung des Stammapostels sei vergleichbar mit derjenigen des Apostels Petrus, „dem Jesus den Auftrag gab, die Brüder zu stärken (vgl. Lukas 22,32) und die Gläubigen zu ‚weiden’ (vgl. Johannes 21,15-17)“. Außerdem sei Petrus „nach der Himmelfahrt Christi als sprechender Mund der Apostel“ aufgetreten und habe „bei der Gründung der Gemeinde Christi an Pfingsten die bahnbrechende Predigt“ gehalten. Zuvor habe er „dafür gesorgt, dass Matthias in dem Kreis der Apostel die Stelle des Judas Iskariot einnahm“. Auch fungierte er „vor dem Hohen Rat als Sprecher“, habe „als Apostel die ersten Zeichen und Wunder“ getan und „aufgrund göttlicher Offenbarungen die Heidenmission (Kornelius-Geschehen)“ eingeleitet. Ferner „führte er auf der Apostelversammlung in Jerusalem ein gewichtiges Wort (vgl. Apostelgeschichte 11 und 15)“.

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Anmerkung

1 Neuapostolische Kirche International (Hg.), Fragen und Antworten über den neuapostolischen Glauben – Änderungsmitteilung 2005; Zürich / Frankfurt a. M. 2005.

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