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Materialdienst 8/2006
Katrin Kurth

Yogaschulen in Berlin - hinduistisch oder weltanschaulich neutral?

Yoga ist nahezu jedem ein Begriff, aber was darunter verstanden wird variiert sehr. „Yoga hat etwas mit Hinduismus zu tun? Das wusste ich nicht.“ Diese und ähnliche Reaktionen weckten mein Interesse, einen Einblick zu bekommen, wie Yoga gelehrt wird. Wird Yoga nur noch als Sport oder Entspannungsmethode gesehen, die helfen soll, dem alltäglichen Stress des Großstadtlebens gewachsen zu sein? Inwiefern fließen hinduistische oder andere weltanschauliche Vorstellungen in den Unterricht ein?

Viele kleine und größere Yogaschulen präsentieren sich mit einem Überblick über die gelehrten Yogarichtungen und die Philosophie der Schule sowie ihre Tradition im Internet. Auf Grundlage dieser Informationen wählte ich vier Yogaschulen aus, bei denen ich an Probestunden teilnahm und einen Einblick erhielt, wie stark und ob überhaupt Yoga dort mit weltanschaulichen Elementen verbunden wird.

spirit yoga in Berlin-Mitte

Die Philosophie von spirit yoga ist, dass Yoga befreie und glücklich mache und dieser Zustand des Wohlfühlens sich übertrage und zu mehr Frieden und Harmonie führe. Die Schule mache es sich zur Aufgabe, die alte Tradition des Yoga auf lebensnahe, freigeistige und lebendige Art zu vermitteln. Auf einem Flyer der Schule ist eine Yogi-Verhaltensregel angegeben, die neben allgemeinen Normen wie „Stehle nicht“, „Sei freundlich und verletze niemanden“ auch „Disziplin, Mut und Hingabe bei der Arbeit“ sowie „Erkenne das Wirken Gottes in allem Schönen, Wahren und Guten in der Welt“ fordert. Weiter heißt es, dass Yoga ein Übungsweg, eine Philosophie sei und Yoga Erfahrungen in der jeweils eigenen Religion vertiefen könne.

Die Leiterin von spirit yoga ist vom Berufsverband Deutscher Yogalehrender (BDY) anerkannt und unterrichtet PowerVinyasaFlowYoga. Weitere Kurse an ihrer Schule sind für Jugendliche, „meditativ-regenerierende“ Stunden, sanftes Yoga, Schwangerschaftsyoga und Rückbildungsgymnastik sowie Kirtan („Gesang“).

Die Probestunde, eingebettet in einen Tag der offenen Tür, fand in einem Raum statt, in dem sich eine Art „Schrein“, u.a. mit einem Kreuz, einer Marienkerze, einer Ganesha-Statue und einer Gebetskette befand, auf dem eine pinkfarbene Buddha-Statue stand. Während der Yogastunde wurde immer wieder erläutert, dass es sich nicht um Sport handele, sondern Yoga der Selbstfindung diene und daher die Leistung nicht von Bedeutung sei.

Bei spirit yoga scheint ein Yoga frei von religiösen oder weltanschaulichen Elementen gelehrt zu werden. Vermutlich befinden sich die religiösen Elemente in erster Linie in den Räumen, um das „indische Flair“, das durch eine indisch anmutende Einrichtung erzeugt wird, zu verstärken.

east side yoga in Berlin-Prenzlauer Berg

Bei east side yoga wird Yoga in der Tradition von T. Krishnamachaya gelehrt. Yoga sei in seiner klassischen Form nicht von religiöser, sondern universeller Spiritualität und daher könne „sein Erkenntnisweg von Gläubigen wie auch Atheisten und Skeptikern beschritten werden“. Weiter heißt es, Yoga könne mehr Lebensfreude und Wohlbefinden schenken und eine hilfreiche Unterstützung auf unserem spirituellen Weg sein.

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