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Materialdienst 7/2006
Scientology

Warnung vor Nachhilfe

(Letzter Bericht: 4/2006, 146) Nach Beobachtungen des Deutschen Philologenverbandes hat die Scientology-Organisation ihre Aktivitäten in den Bereichen Schule und Erziehung in der letzten Zeit verstärkt und ausgebaut. Der Verbandsvorsitzende machte in einer im Mai verbreiteten Erklärung darauf aufmerksam, dass es inzwischen eine ganze Reihe von überregional oder sogar bundesweit tätigen Nachhilfestudios und Studienförderkurse gibt, die Scientology zugerechnet werden. Dort werde versucht, Einfluss auf Jugendliche und Kinder zu gewinnen. Dazu gehören etwa das „Zentrum für individuelles und effektives Lernen (ZIEL)“, der für Englischkurse bekannte Anbieter „Applied Scholastics“ sowie das Unternehmen „Ziel Konzept“. Als Reaktion auf die Warnung wurden bundesweit zahlreiche Nachhilfeangebote kritisch unter die Lupe genommen. In Berlin wurde an einer Spandauer Grundschule die Zusammenarbeit mit einer Mutter nach zwei Stunden Nachhilfeunterricht abgebrochen, nachdem bekannt wurde, dass sie in ihrem Unterricht Hubbards Lerntechnologie verwendet.

Auch die jüngsten Verfassungsschutzberichte der Bundesländer stellen fest: Zunehmend werden Jugendliche von der Scientology-Organisation anvisiert, um sie durch Initiativen wie „Jugend für Menschenrechte“ und „Sag Nein zu Drogen“ auf scientologische Gedankenfährten zu bringen. Möglicherweise wird nun auch der Nachhilfeunterricht strategisch zu diesem Zweck eingesetzt. Es ist allerdings gar nicht so einfach herauszufinden, was die von Hubbard „entdeckte“ Lerntechnologie eigentlich auszeichnet – und ob sie auch gefährlich ist.

Hubbard ging es in erster Linie um die Überwindung von Lernhindernissen. Diese hat er in drei Bereichen identifiziert: „Abwesenheit von Masse“, „Ein zu steiler Gradient“ und „Das missverstandene Wort.“

Abwesenheit von Masse: Abstraktes Denken scheint für Hubbard ein Problem gewesen zu sein. Deshalb schlug er vor, konkrete Gegenstände zur Veranschaulichung mit einzubeziehen, Bilder zu malen oder mit Knetmasse zu formen.

Ein zu steiler Gradient: Zu hohe Ziele führten zum Scheitern, deshalb müsse ein angemessenes Lerntempo eingeschlagen werden.

Das missverstandene Wort: Hubbard meinte „erkannt“ zu haben, dass Dummheit von „missverstandenen Worten“ herrühre. Eine Kommunikation scheitere im Allgemeinen dann, wenn man ein Wort nicht verstanden hat. Dies führe zu Missverständnissen, eindeutigen „Gefühlen der Leere“, nervöser Hysterie, Aggressionen und möglicherweise sogar zu Krieg. Auf der Basis dieser These entwickelte Hubbard ein „Wortklärungs“-Kurssystem. Wenn jemand einen Zusammenhang nicht versteht, soll er in einem Wörterbuch nachschlagen.

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Michael Utsch

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