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Materialdienst 5/2005

Kriterien zum Umgang mit charismatischen Gruppen und Gemeinden außerhalb der Mitgliedskirchen der ACK

Handreichung für die Mitgliedskirchen der ACK in Baden-Württemberg

Seit den 80er Jahren breitet sich pfingstlich-charismatische Frömmigkeit zunehmend auch in neuen Gemeinden aus. Diese erinnern in ihrer Praxis der Frömmigkeit und ihrem Verständnis des Glaubens in vieler Hinsicht an die Frühzeit der Pfingstbewegung. Im Kontext flächendeckender parochialer Kirchenstrukturen und eines vielfältig bereits bestehenden Angebotes von christlichen Gemeinden und Gemeinschaften wirken Gemeindeneugründungen immer auch als Fremdkörper. Sie rufen Konflikte und Fragen hervor und stellen die organisierte Ökumene vor neue Herausforderungen.
 
Der im Folgenden dokumentierte Text geht auf diese Herausforderungen ein. Er ist Ergebnis eines längeren Diskussions- und Beratungsprozesses, an dem die Beauftragten für Weltanschauungsfragen, die Mitgliedskirchen der ACK in Baden-Württemberg, aber auch Vertreterinnen und Vertreter charismatischer und pfingstlerischer Initiativen und Gemeinden aus der süddeutschen Region beteiligt waren. Die Zustimmung zu den hier formulierten Kriterien erfolgte auf der 65. Delegiertenversammlung der ACK in Baden-Württemberg am 3./4. März im Berhäuser Forst bei Stuttgart.

Die Handreichung formuliert Kriterien für den Umgang mit charismatischen Gruppen und Gemeinden außerhalb der Mitgliedskirchen der ACK. Sie hat grundsätzlichen Charakter. Es gelingt ihr in überzeugender Weise, die ökumenefähigen Anliegen heutiger pfingstlich-charismatischer Frömmigkeit zu benennen und gleichzeitig auszusprechen, welche Lehren und Praktiken fragwürdig, problematisch und in ökumenischer Perspektive nicht zustimmungsfähig sind. Der Handreichung ist eine breite Rezeption zu wünschen: in den Mitgliedskirchen der ACKs, ebenso in den gegenüber der Ökumene aufgeschlossenen charismatischen Gruppen und Gemeinden.


Kriterien zum Umgang mit charismatischen Gruppen und Gemeinden außerhalb der Mitgliedskirchen der ACK

Handreichung für die Mitgliedskirchen der ACK in Baden-Württemberg

Vorwort

Die religiöse Landschaft war in den letzten Jahren einem erheblichen Wandel unterworfen. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen hat dazu im Jahre 2004 eine Broschüre veröffentlicht, die sich der Beschreibung der religiösen und weltanschaulichen Tendenzen widmete (ACK in Baden-Württemberg, Neue Heilsversprechen. Religiöse und weltanschauliche Tendenzen heute, Stuttgart 2004). Parallel zur Erarbeitung dieser Broschüre wurde zugleich deutlich, dass die Gemeinden der in der ACK zusammenwirkenden Kirchen erheblichen Orientierungsbedarf hinsichtlich des Umgangs mit neuen Gemeinden pfingstlicher, neo-pentekostaler und charismatischer Prägung formulierten. Viele dieser neuen Gemeinden pflegen (noch) keine ökumenischen Kontakte. Inhalte und Stil ihrer Verkündigung wurden als fremd, manchmal befremdend empfunden. Neugründungen wurden als Konkurrenz zur gewachsenen kirchlichen Arbeit und auch als unzulässige Abwerbung (Proselytismus) erfahren.

Nachdem in einzelnen Mitgliedskirchen Grundlagenpapiere erarbeitet waren, hat es die ACK als ihre Aufgabe angesehen, ein Kriterienpapier zu erarbeiten, das auf einer ökumenischen Wahrnehmung und Analyse beruht, bzw. diese formuliert. Im Folgenden wird ein Papier vorgelegt, das nach Möglichkeit den örtlichen Gemeindeleitungen und den örtlichen ACKs als Gesprächsgrundlage mit neuen charismatischen Gemeinden dienen kann. Letztlich wird jede Gemeinde und jede örtliche ACK für sich selbst entscheiden müssen, ob sie neuen Gemeinden freundlich oder reserviert, gastlich oder warnend begegnen will bzw. muss. Menschliche Fairness und kirchliche Verantwortung gebieten, Gespräche und eventuelle Beschlüsse nicht auf Vorurteile zu gründen, auch nicht auf Ängste, sondern auf theologische Überlegungen. Es geht letztlich um Entscheidungen auf der Grundlage der Heiligen Schrift: „Löscht den Geist nicht aus! (In Luthers Übersetzung: Den Geist dämpfet nicht!) Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonicher 5,19-21)
 
Wenn das vorliegende Heft* dazu helfen kann, dass in theologischer Verantwortung geprüft und das Gute behalten wird, hat es seinen Zweck erfüllt.

Freiburg, den 21. März 2005

Prälat Dr. Helmut Barié,
Vorsitzender der ACK in Baden-Württemberg

A. Themen:

1. die Taufe
2. die Geisttaufe
3. die Gaben des Geistes
4. der Umgang miteinander
5. das Gebet
6. das Böse, der Teufel, die Dämonen
7. die Bibel
8. Gottesdienst und Sakramente

Grundlagen

Die Kirchen der ACK in Baden-Württemberg bejahen das christliche Zeugnis der Pfingstbewegung und der charismatischen Bewegung. Die folgenden Kriterien wurden vor dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Bejahung formuliert. Die Verbreitung der weltweiten Pfingstbewegung in der Ökumene christlicher Kirchen und Konfessionen ist groß, und sie wird stetig größer. Von daher verbietet sich die Marginalisierung pfingstlicher und charismatischer Frömmigkeit und Theologie. Allerdings muss die gegenseitige Anerkennung von Glaube und Leben zwischen den Kirchen in der ACK und den pfingstlich-charismatischen Gemeinschaften vor Ort von beiden Seiten erfolgen, sie kann nicht einseitig sein. Gegenseitige Anerkennung erfordert die Fähigkeit zur kritischen Selbstwahrnehmung und zur Relativierung von Unterschieden auf beiden Seiten. Sie erfordert die Fähigkeit, innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu unterscheiden, welche Positionen und Praktiken dem gemeinsamen christlichen Zeugnis dienen, welche der Zusammenarbeit im Weg stehen und welche sogar vom Kern des christlichen Glaubens wegführen könnten.
 
Die folgenden Kriterien bieten eine Hilfestellung für die Beurteilung von Fragen und Problemen vor Ort. Sie orientieren sich an den Gottes-, Welt- und Menschenbildern, die vermittelt werden, und messen sie an der Bibel und an gemeinsam gewonnenen Einsichten der Kirchen. Sie knüpfen an die Erfahrungen mit den bisherigen Beziehungen, an ethische und seelsorgerliche Normen im verantwortlichen Umgang mit Menschen an. Dabei tragen sie durchweg pragmatischen Charakter. Die Beziehungen zwischen den Kirchen in der ACK und den Pfingstkirchen bzw. den neupfingstlichen Gemeinden vor Ort werden nicht festgelegt, sondern bleiben für die zukünftige Entwicklung offen. Die angeschnittenen theologischen Fragen, vor allem die zentrale Frage nach der Lehre vom Heiligen Geist (dritter Glaubensartikel) können nicht ausführlich verhandelt werden. Sich die Frage nach dem Heiligen Geist neu zu stellen ist eine Herausforderung für alle christlichen Kirchen in der westlichen Moderne. Dabei gibt es auch von der weltweiten Pfingstbewegung einiges zu lernen.

Vor Ort begegnet die weltweite pentekostale und neopentekostale Bewegung den Kirchengemeinden in Baden-Württemberg in einer Weise, die sich von der in den USA, in Asien oder Südamerika unterscheidet. Drei Formen sind anzutreffen:

• mehrere Jahrzehnte alte Pfingstkirchen1
• unabhängige charismatische und neupfingstliche Gemeinden der ersten Generation2
• innerkirchliche charismatische Bewegungen3.

Diese Bewegungen bzw. Gemeinden wachsen, anders als zum Beispiel in Afrika oder Asien, nicht als dynamische soziale Bewegung, sondern sprechen vor allem verbindlich lebende Christen der Groß- und Freikirchen an. Wenn sie an Mitgliedern zunehmen, so geschieht dies meist durch Übertritte aus diesem Bereich. Sie sind, wieder im Unterschied zu anderen Erdteilen, in erster Linie nicht als Kirchen unterprivilegierter Schichten oder Randgruppen zu verstehen, sondern bilden sich (mit Ausnahme von Immigrantengemeinden) vorwiegend aus bürgerlich geprägten Gemeinden. Dadurch sind die etablierten Groß- und Freikirchen direkt von deren Aktivitäten betroffen. Vor Ort stellen sich vielfältige Fragen des Dialogs, der Zusammenarbeit und der Abgrenzung; es kommt zu öffentlichen und persönlichen Konflikten usw. Besonders die zweitgenannten unabhängigen Gemeinden verursachen zahlreiche Fragen, so dass Orientierungsbedarf entsteht. Dabei sollen folgende Kriterien behilflich sein.

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Anmerkungen

* Die im Druck ca. 20 Seiten umfassende Handreichung kann bei der Geschäftsstelle der ACK in Baden-Württemberg zum Preis von 0,50 Euro zzgl. Versandkosten per E-Mail (ackbw@t-online.de) bestellt werden.
1 Z.B. Mülheimer Verband, Volksmission entschiedener Christen, Gemeinde Gottes, Ecclesia und andere.
2 Z.B. Jugend-, Missions- und Sozialwerk Altensteig, Kingdom Faith Gemeinde Calw-Hirsau, Missionswerk in Karlsruhe, Strahlen der Freude in Pforzheim, „Die Taube“ Heidelberg, Biblische Glaubensgemeinde Stuttgart, Treffpunkt Leben Ditzingen, Tübinger Offensive Stadtmission, Christuszentrum Weinstadt und viele andere.
3 Z.B. Adoramus, Elia-Dienst, Geistliche Gemeindeerneuerung GGE, Kirche im Aufbruch in der Ev. Landeskirche in Württemberg, Charismatische Erneuerung in der Römisch-Katholischen Kirche, AGG in der Evangelisch-Methodistischen Kirche und mit ihnen verbundene Gruppierungen.

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