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Materialdienst 5/2005
Christian Ruch

Leas Leben

oder Warum die Sektenthematik nach wie vor aktuell ist

Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine ganz normale junge Schweizerin Mitte zwanzig. Doch wenn Lea Saskia Laasner erzählt, was sie als Kind und Teenager durchmachen musste, enthüllt sich eine Biographie, die unglaublicher kaum sein könnte – wobei das Attribut „unglaublich“ nicht heißen soll, dass man Lea Laasner nicht abnimmt, was sie erzählt, ganz im Gegenteil, vermittelt sie doch eine große Glaubwürdigkeit. „Unglaublich“ ist ihre Geschichte, weil man einfach fassungslos ist, wenn man sie hört bzw. liest.1

Lea Laasner wurde 1980 geboren und wuchs in den behüteten Verhältnissen einer Gemeinde im Großraum Zürich auf. Die familiäre Idylle bekam jedoch Risse, als sich die Mutter immer stärker esoterischen Praktiken zuwandte und auf das im Buch „Janet“ genannte Medium Julie Ravel2 aufmerksam wurde, das Botschaften des Geistwesens „Ramtha“ channelte. Der Vater stand der Begeisterung für Janet und Ramtha anfangs wohl eher etwas skeptisch gegenüber, aus Angst, seine Frau zu verlieren, zog er jedoch bei allem mit und war deshalb sogar bereit, sein florierendes Architekturbüro zu verkaufen, um sich mit der ganzen Familie der aus rund 40 Personen bestehenden Gruppe, die sich um Janet gebildet hatte und sich „Licht-Oase“ nannte, anzuschließen. Alle Versuche von Freunden und Verwandten, diesen Ausstieg aus den gesicherten Verhältnissen eines gutbürgerlichen Lebens zu verhindern, scheiterten.
 
Wie sich erst zeigte, als sich die Familie Laasner der Ramtha-Gruppe bereits angeschlossen hatte, war nicht das Medium Janet, sondern ihr Partner Benno Führer der Gruppe, ein Deutscher, der sich als ebenso charismatischer wie tyrannischer Typ entpuppen sollte. Die Anhänger von Janet und Benno waren überzeugt, dass eine nahe Apokalypse bevorstehe, sie aber mit Ramthas Hilfe in der Lage seien, sich in Lichtwesen zu transformieren. Die Gruppe lebte mehr oder weniger in völliger Isolation in Österreich, Bayern, Portugal und schließlich im mittelamerikanischen Staat Belize, wo sie sich eine Farm kaufte. Mit 13 Jahren wurde Lea Bennos Geliebte und in den folgenden acht Jahren immer wieder Opfer seiner sexuellen Übergriffe und äußerst sadistischer Sexualpraktiken. Schutz von den Eltern konnte sie längst nicht mehr erwarten, denn die Bindungen waren von Benno, Janet und der durch sie erzeugten Gruppendynamik längst zerstört worden, was dazu führte, dass Leas Vater nicht einmal protestierte, als er in die Entjungferung seiner Kinder (Leas Bruder wurde von Janet missbraucht) buchstäblich hineinplatzte.

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Anmerkungen

1 Lea Saskia Laasner, Allein gegen die Seelenfänger. Meine Kindheit in der Psycho-Sekte. Aufgezeichnet von Hugo Stamm, Eichborn Verlag, Frankfurt a.M. 2005.
2 Zu Julie Ravel siehe Materialdienst der EZW 10/2000, 342. Frau Ravel war 1994 von dem amerikanischen Medium JZ Knight verklagt worden, weil dieses sich als rechtmäßiges Sprachrohr von Ramtha begriff. JZ Knight gewann das Verfahren, worauf Julie Ravel und die „Licht-Oase“ verkündeten, dass sich Ramtha ab sofort „Maghan“ nenne. Von diesem Rechtsstreit und der darauf erfolgten Umbenennung berichtet auch Frau Laasner in ihrem Buch (84f).  

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