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Materialdienst 6/2005
Aberglaube

Aberglaube im Aufschwung

(Letzter Bericht: 3/2002, 95f) Der irrationale Glaube an gute und schlechte Vorzeichen ist heute in Deutschland noch mehr verbreitet als Anfang der 1970er Jahre. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Demoskopie Allensbach in seiner Langzeitstudie zum Aberglauben (allensbacher berichte 7/2005). Demnach gehen heute 42 Prozent  der Deutschen davon aus, „daß das vierblättrige Kleeblatt Gutes bedeutet“. Für lebensbedeutsam halten es 40 Prozent der Befragten, wenn sie am nächtlichen Himmel zufällig Sternschnuppen beobachten. 36 Prozent sehen in der Begegnung mit einem Schornsteinfeger ein Glück verheißendes Vorzeichen. Die Zahl 13 gilt für jeden vierten (28 Prozent) als gefürchtetes Omen. Auch die schwarzen Katzen, die einem von links über den Weg laufen, hält jeder vierte (25 Prozent) für ein schlechtes Vorzeichen. Nach Mitteilung des Instituts, das die Langzeitstudie seit 1973 durchführt, ist die Bereitschaft in der Bevölkerung, „all diesen und anderen Signalen aus der Welt des Aberglaubens“ mehr Bedeutung beizumessen, in den letzten 25 Jahren deutlich gewachsen. In Westdeutschland haben damals nur etwa halb so viele Menschen (22 Prozent) „in einem zufällig durch den Weltraum sausenden und verglühenden Meteoriten“ ein besonderes Vorzeichen erblickt. Nach Mitteilung des Instituts habe auch die Vorstellung, ein vierblättriges Kleeblatt könne Glück herbeiziehen, deutlich zugenommen. Glaubten dies im Jahr 1973 26 Prozent, so sind es heute 42 Prozent der Befragten. Deutlich gestiegen, von 17 auf 28 Prozent, ist in den letzten Jahrzehnten auch die Bereitschaft, mit der Zahl 13 Unheilvolles in Verbindung zu bringen. Auffällig ist jedoch, dass es im Blick auf den Aberglauben zwischen Ost und West so gut wie keinen Gegensatz mehr gibt. Hier haben sich die Werte deutlich angeglichen. Insgesamt lehnen es in Ost wie West „nur jeweils 32 Prozent aller Erwachsenen ab, den Zeichen aus der Welt des Aberglaubens überhaupt irgendeine Bedeutung zukommen zu lassen“. – Interessanterweise rangieren Glückssymbole – vierblättriges Kleeblatt (42 Prozent), Sternschnuppen (40 Prozent) sowie der Schornsteinfeger (36 Prozent) – der Umfrage zufolge bundesweit an erster Stelle: Es verwundert nicht, dass angesichts der wirtschaftlichen Lage in Deutschland und der damit einhergehenden persönlichen Verunsicherung die Sehnsucht nach eher optimistischen Vorzeichen in der Bevölkerung besonders ausgeprägt ist.

Matthias Pöhlmann

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