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EZW-Pressemitteilung Nr. 2/2012 vom 5.12.2012

Neuer Katechismus der NAK sucht Vermittlung

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) begrüßt die Veröffentlichung des neuen Katechismus der Neuapostolischen Kirche (NAK), der die bisher gültige Fassung aus dem Jahr 1992 ersetzt. Er ist das Ergebnis eines jahrelangen Diskussionsprozesses. Als verbindliche Lehrgrundlage werden seine zitierfähigen Aussagen nun das Tempo der Annäherung an die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) maßgeblich bestimmen. Er übernimmt aber auch eine interne Klärungsfunktion. Einzelne, vorab veröffentlichte Teile hatten heftige Debatten zwischen konservativen und progressiven NAK-Mitgliedern hervorgerufen.

In Inhalt und Form ist das Bemühen um ökumenische Anschlussfähigkeit klar erkennbar. Positiv zu würdigen sind zum Beispiel der Bezug auf ökumenische Glaubensbekenntnisse (Nicäa und Apostolikum) und die ausführlichen biblischen Bezüge bei den Begründungen der Lehre. Das ist nicht selbstverständlich, da in der NAK früher auch gepredigt werden konnte, die Bibel verkündige das tote, die lebenden Apostel aber das lebendige Wort Gottes. Der einst extreme Absolutheitsanspruch wird relativiert. Heute sieht sich die NAK als Kirche unter Kirchen und bezeichnet alle getauften Gläubigen, auch außerhalb der NAK, als Angehörige der "verborgenen Kirche Christi". Dabei ist die NAK bemüht, ihr Proprium – die lebenden Apostel – zu bewahren und dieses selbstbewusst als ihren spezifischen konfessionellen Beitrag in den Chor der Christenheit einzubringen.

Allerdings sind aus evangelischer Sicht noch immer kritische Fragen zu stellen, insbesondere zum Thema des Offenbarungsempfangs durch lebende Apostel und die unvollständige Taufanerkennung, da die Taufen anderer Kirchen erst mit der Versiegelung durch einen Apostel vervollständigt werden. Der Katechismus bringt einerseits einige substantielle inhaltliche Fortschritte. Andererseits wird der harte Überzeugungskern vom unverzichtbaren Apostelamt und der für die Gotteskindschaft nötigen Versiegelung durch versöhnlichere neue Formulierungen zwar abgemildert, grundsätzlich jedoch beibehalten. In künftigen Gesprächen ist nun zu klären, ob die ökumenischen Stolpersteine soweit ausgeräumt werden können, dass der angekündigte Aufnahmeantrag der NAK in die ACK eine Chance hat.

Dr. Kai Funkschmidt, wissenschaftlicher Referent 

Dr. Reinhard Hempelmann, Leiter der EZW

Ansprechpartner: Dr. Kai Funkschmidt, EZW Berlin, Telefon 030 28395-137