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Nachrichten-Archiv
EZW-Pressemitteilung Nr. 4/2010 vom 8.12.2010

Mehr Verbindlichkeit im Dialog suchen! Weltanschauungs- und Ökumenebeauftragte zu Wandlungsprozessen in der Neuapostolischen Kirche (NAK)

Vom 1. bis 3. Dezember 2010 haben sich im Berliner Johannesstift 40 Ökumene- und Weltanschauungsbeauftragte der christlichen Kirchen mit den Wandlungsprozessen in der Neuapostolischen Kirche (NAK) beschäftigt. Als Ergebnis der Tagung kann festgehalten werden:

• Die NAK bemüht sich um weitere Klärungen bezüglich derjenigen lehrmäßigen Orientierungen, die aus ökumenischer Sicht den grundlegenden Konsens im gemeinsamen Glauben in Frage stellen. Dazu zählt u.a. das Verständnis des Apostelamtes und der Versiegelung, aber auch die Identifikation der NAK mit der endzeitlichen Brautgemeinde. Initiativen, die darauf abzielen, Trennendes und Kontroverses offen anzusprechen und Gemeinsames wahrzunehmen und zu suchen, sind zu fördern und gleichzeitig verbindlicher zu gestalten.

• Kontakte und Begegnungen auf lokaler, regionaler und überregionale Ebene zwischen der NAK und anderen christlichen Kirchen sind fortzusetzen und zu intensivieren. Der Aufbau einer Dialogkultur und die Suche nach respektvollen Umgangsformen ist auch abgesehen von der Frage der ACK-Mitgliedschaft ein wichtiges Anliegen.

• Aus der Sicht der Weltanschauungs- und Ökumenebeauftragten sollte es in der NAK zu einer stärkeren Würdigung des Dienstes der Theologie für kirchliches Leben und Lehren kommen.

• Manche NAK-Mitglieder erleben die Gruppenstruktur ihrer Kirche und die apostolische Autorität immer noch als einengend und vereinnahmend. Hier sind offene Gespräche mit allen Beteiligten zu führen, um mehr Transparenz und Freiheit zu ermöglichen.

• Zu den Chancen und Grenzen einer Verständigung zwischen ACK und NAK wird sich auf Grundlage des neuen Katechismus, der für das Jahr 2012 erwartet wird, Weiteres sagen lassen. Christinnen und Christen aus anderen Kirchen werden mit Aufmerksamkeit den weiteren Weg der neuapostolischen Gemeinden begleiten.Eingeladen zu der Studientagung hatten die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Berlin, und das Konfessionskundliche Institut, Bensheim. Eröffnet wurde der Austausch mit einem Vortrag zur  Entstehungsgeschichte der Glaubensgemeinschaft des Konfessionskundlers Helmut Obst von der Universität Halle-Wittenberg sowie dem Besuch eines NAK-Gottesdienstes der Spandauer Gemeinde. Bisherige Kontakte und Gespräche verschiedener lokaler und regionaler Arbeitsgemeinschaften christlicher Kirchen (ACK) sowie der Bundes-ACK wurden ausgewertet.

Hinzu kamen Einschätzungen aus weltanschaulicher und konfessionskundlicher Sicht. In Arbeitsgruppen waren umstrittene Lehren, wie sie sich in neueren NAK-Veröffentlichungen finden, Gegenstand der Diskussion (u.a. Versiegelung, Endzeit, Apostelamt, Entschlafenenwesen, Umgang mit der Geschichte). An einem Abend fand ein intensives Gespräch mit Vertretern der NAK aus der Projektgruppe Ökumene statt. Der Vorsitzende der Bundes-ACK, Landesbischof Friedrich Weber, betonte in seinem Referat zum Abschluss der Tagung den Unterschied zwischen einem interreligiösen und einem innerchristlichen Dialog. Bei der NAK handele es sich um einen innerchristlichen Dialog, in dem zu klären sei, ob und inwiefern einzelne Sonderlehren der NAK kirchentrennenden Charakter haben.

Dr. Reinhard Hempelmann

Dr. Michael Utsch