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Nachrichten-Archiv
EZW-Pressemitteilung Nr. 1/2007 vom 10.01.2007

Angriff auf die Religionsfreiheit oder Missbrauch der Religion? Zur Eröffnung des Scientology-Zentrums in Berlin

Die geplante Eröffnung des Berliner Zentrums der umstrittenen Scientology-Organisation hat in der Öffentlichkeit mit Recht für Irritationen und Protest gesorgt. Es ist zu begrüßen, dass von journalistischer Seite dieser Vorgang sorgfältig beobachtet und kritisch kommentiert wird. Wenn im unmittelbaren Umfeld Schulleiter von Gymnasien und Angehörige der Technischen Universität ihre Sorge über diese Öffentlichkeitsoffensive und die zu erwartenden aggressiven Werbekampagnen zum Ausdruck bringen, ist dies begründet und keineswegs abwegig.

Mit ihrem neuen Vorhaben versuchen die Scientologen, sich in Deutschland als erfolgreiche und expandierende Organisation zu präsentieren. Dies erweckt einen falschen Eindruck. In den letzten Jahren waren die durchaus zahlreichen werbewirksamen Aktivitäten weitgehend erfolglos – u.a. deshalb, weil eine intensive Aufklärungsarbeit dies verhinderte.

Bei der Scientology-Organisation mit ihren schwer durchschaubaren und weit verzweigten Aktivitäten handelt es sich um ein Phänomen, in dem sich überzogene Heilsversprechen aus Therapie, Politik, Wirtschaft und Religion in höchst eigenwilliger Weise miteinander vermischen. Der scientologische Weg verheißt, den Traum vom Übermenschen verwirklichen zu können – durch den Besuch kostspieliger Kurse und Seminare, die persönlichen Erfolg, absolute Freiheit und letztlich Unsterblichkeit garantieren sollen.

Mit guten Gründen haben Wissenschaftler, Juristen, Politiker wie auch katholische und evangelische Weltanschauungsexperten auf die Fragwürdigkeit hingewiesen, die Aktivitäten dieser Organisation als Religion zu bezeichnen. Dass Scientology sich in der Öffentlichkeit als Religion, Religionsgemeinschaft oder Kirche präsentiert, hat vor allem strategische Gründe. Lehre und Praxis dieser Organisation stehen einer solchen Selbstdefinition entgegen.

Das Recht auf freie Religionsausübung ist ein verfassungsmäßig geschütztes Menschenrecht. Es steht jedem zu. Religion und Religionsfreiheit können jedoch missbraucht werden. Dies geschieht, wo im Namen der Religion etwas ganz anderes betrieben wird und wo vermeintlich religiöse Aktivitäten in Konflikt mit den Grundwerten der Verfassung geraten.

Die neue Strategie der Scientologen, sich in Berlin öffentlichkeitswirksam zu platzieren, ist als Zeichen zu verstehen, mehr gesellschaftlichen Einfluss ausüben zu wollen. Sie steht darüber hinaus auch im Zeichen eines seit Jahren propagierten Angriffs auf Verständnis und Form der Religionsfreiheit in Deutschland.

Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) fordert die Rücknahme der 2003 getroffenen Entscheidung der Berliner Innenbehörde, auf eine Beobachtung dieser Organisation durch den Verfassungsschutz zu verzichten.

Berlin, 10. Januar 2007

Dr. Reinhard Hempelmann, Leiter der EZW

Dr. Matthias Pöhlmann, Referent

Dr. Michael Utsch, Referent